Begleiten

Aus Das Zweimalzwei der Erziehung
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Bedeutung für die Erziehung

Gemäss dem "Zweimalzwei der Erziehung" sollte sich die eigentliche Erziehungsarbeit vor allem auf die beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung konzentrieren: Wenn die Eltern gelernt haben,

  • in den zwei ersten[1] Lebensjahren, dem Kind zu vertrauen und
  • in den zwei folgenden[1] Jahren, dem Kind angemessen Grenzen zu setzen,

ist ihre Aufgabe im Wesentlichen erfüllt und sie können ihre Betreuung auf eine Art Begleitung des Kindes beschränken. Denn die Persönlichkeit ist in diesem Alter bereits weitgehend gefestigt und das Kind sollte entsprechend reif sein.

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Erziehung und Reife des Kindes nach etwa vier Jahren

Die Reife des Kindes bestimmt sich gemäss den Zielen des "Zweimalzwei der Erziehung" nach der Selbständigkeit und der Beziehungsfähigkeit, die das Kind erreicht hat. Bei einer erfolgreichen Erziehungsarbeit ist das Kind bereits mit der Sozialisation, also beim Eintritt in die (Vor)Schule, genügend reif, um auch in einer Gruppe bestehen können, das heisst, es kann einerseits seine Persönlichkeit ausleben und andererseits seine Umwelt respektieren.

Ob das Kind diese Reife schon erlangt, sehen Sie zum Beispiel an folgenden Fähigkeiten:

  • Regeln: Ist es möglich, dass Sie mit dem Kind zusammen Regeln vereinbaren, die es danach auch von sich aus einhält? - Oder müssen Sie selbst Abmachungen treffen und deren Einhaltung dauernd überwachen?
  • Verantwortung: Übernimmt das Kind die Verantwortung, wenn es sich weh getan hat oder ihm etwas misslungen ist? - Oder schreit es immer gleich um Hilfe und Trost?
  • Verhalten in der Gruppe: Fühlt sich das Kind auch in Gruppen ausserhalb der Familie wohl und kann zusammen mit anderen Kindern spielen? - Oder wird das Kind eher als Störenfried oder als Duckmäuser wahrgenommen und ist dauernd auf das Eingreifen von Betreuungspersonen angewiesen?
  • Risikobewusstsein: Hat das Kind sein (angeborenes) Gespür für natürliche Gefahren behalten? Und kann es auch mit künstlichen Gefahren umgehen (zum Beispiel geläufige Situationen im Strassenverkehr)? Oder meinen Sie, Sie müssten es immer noch dauernd beschützen?
  • Konfliktfähigkeit: Kann das Kind auch von sich aus Konflikte ansprechen und Lösungen und Kompromisse finden? Oder wird gleich jede Auseinandersetzung zu existenziellen Frage?
  • Kooperationsbereitschaft: Hat das Kind seine (angeborene) Kooperationsbereitschaft behalten? Oder rebelliert es bei jeder zweiten Bitte um Mithilfe?
  • Frustrationstoleranz: Kann das Kind auch mit Misserfolgen umgehen? Oder resigniert es sehr schnell, wenn es auf Widerstand stösst?

Bedenken Sie bei der Beantwortung dieser Fragen, dass die Verantwortung für diese Reife nicht etwa beim Kind, sondern ausschliesslich bei Ihnen als Eltern liegt. Wenn das Kind also noch nicht genügend reif ist, macht es keinen Sinn, es ihn in Therapien zu schicken oder ihm gar Vorwürfe zu machen, sondern Sie sollten sich überlegen, was Sie als Eltern besser machen können. Oder anders gesagt: es beginnt nun die Zeit der sogenannten "Nacherzeihung".

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Begleitung während den Jugendjahren

Selbstverständlich ist es nicht so, dass die Erziehung nach vier Jahren einfach aufhören würde. Es geht vielmehr um einen fliessenden Übergang: Sie brauchen sich immer weniger um das "Tagesgeschäft" zu kümmern und können zum Beispiel bei jeden auftretendem Problem zuerst einmal das Kind fragen, wie es das lösen würde. Dadurch steigt sein Verantwortungsbewusstsein und es kann das nächste Problem vielleicht schon ganz alleine lösen. Ganz nebenbei wird das Kind auch noch von seiner Umgebung geschätzt und gelobt, sodass alles zusammen zu einer eigentliche Aufwärtsspirale führt.

Es werden also immer wieder einmal ein paar "korrigierende Eingriffe" nötig sein. Denn das Kind entwickelt sich nicht einfach linear und ist ja auch kein mechanisches Gebilde, das man einfach programmieren könnte. Ihre Achtsamkeit bleibt also wichtig, kann aber zunehmend einem aufmerksamen Beobachten Platz machen. Die anstrengendste Zeit ist vorbei und Sie haben wieder Zeit, vermehrt Ihren eigenen Bedürfnisse nachzugehen. Das gilt schliesslich gerade auch während der Pubertät, wenn die Jugendlichen mehr mit sich selbst als mit den Eltern beschäftigt sein sollten. Das setzt aber eben voraus, dass sie sich in den ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung schon weitgehend selbst entwickeln durften und die Eltern ihnen genügend Gelegenheit gaben, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnete Prinzipien

  1. 1,0 1,1 Die Zeitangaben sind blosse Anhaltspunkte: Massgebend ist, wann das Kind seinen Willen entwickelt (in der Regel etwa im dritten Lebensjahr).

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