Lernen des Kindes

Aus Das Zweimalzwei der Erziehung
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Bedeutung für die Erziehung

Kinder lernen in den ersten Jahren nicht nur unglaublich viel, sondern darüber hinaus die weitaus wichtigsten Fähigkeiten für das Leben überhaupt. Voraussetzung ist aber, dass sich die Eltern zunächst einiger möglicher Missverständnisse bewusst sind. Denn Kinder lernen

  1. weil sie Lust dazu haben,
  2. von alleine
  3. durch Erfahrung,
  4. durch Spielen und
  5. durch Nachahmung.

Das heisst, Kinder lernen vor allem von sich aus und erst noch mit grösster Lust! Erst später, in der (Vor)Schule, lernen Kinder dann nach und nach auch durch die Vermittlung von Wissen. Die blosse Vermittlung von Wissen ohne eigene Erfahrungen, und womöglich noch unfreiwillig, ist allerdings ungleich weniger effizient. Die wesentlichen Dinge für das Leben lernt das Kind zudem nicht in der Schule, sondern in den ersten vier, entscheidenden Jahren seines Lebens: Ein Kind, das nach dieser Zeit genügend Selbstvertrauen erworben hat und dessen Willen angemessen Grenzen gesetzt wurden, lernt alles andere wie von alleine!

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Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)

Lustvolles Lernen

Kleinkinder machen von sich aus bloss, wozu sie Lust haben. Lust ist denn auch der weitaus beste und einfachste Antrieb irgendetwas zu lernen. Als Eltern müssen Sie einzig dafür sorgen, dass Sie dem Kind diese von Natur aus vorhandene Lernfreude nicht nehmen. Und auch das geht ganz einfach, Sie dürfen nämlich während der Phase der Vertrauensbildung grundsätzlich immer und zu allem "Ja" sagen (ausser natürlich bei wirklichen Gefahren). Sie müssen auch keinen Sinn oder gar einen pädagogischen Nutzen erkennen, wenn das Kind zum Beispiel Lust hat, Steine oder Blätter zu sortieren. Vertrauen Sie einfach, dass das Kind damit irgendwelche Fähigkeiten entwickelt, von denen Sie nicht die geringste Ahnung haben (und auch nicht haben müssen)!

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Selbständiges Lernen

Schauen Sie dem Kleinkind zu, wie es langsam aber sicher beginnt, seine Hände und Arme mehr und mehr kontrolliert zu bewegen, bis es ihm gelingt, etwas gezielt zu ergreifen und wieder loszulassen. Sie brauchen ihm nichts vorzumachen, nichts zu erklären und schon gar nichts zu korrigieren: Auch kleinste Kinder lernen alles am besten, wenn sie es selbst tun dürfen. Sie brauchen keinen Lehrplan, kein Unterrichtsmaterial, rein gar nichts, ausser eines: Ihre Geduld und Freude beim Zuschauen.

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Spielerisches Lernen

Kinder lernen in den ersten Jahren weniger durch die Vermittlung von Wissen, als mehr durch "blosses" Spielen. Und zum Spielen dient ihnen schlicht alles, was sie irgendwie ergattern können, seien es Lebensmittel, sei es die wertvolle Uhrensammlung ihrer Eltern. Sie verfolgen damit keinerlei Absicht - sie freuen sich bloss an der Beschäftigung als solches. Andererseits haben sie noch nicht die geringste Ahnung davon, ob sie mit etwas wertvollem, gefährlichem oder fremdem spielen. Zumindest in der Phase der Vertrauensbildung sollte das Kind in dieser Unbefangenheit spielen dürfen (wirkliche Gefahren natürlich ausgenommen).

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Lernen durch Probieren und Erfahrung

Ausprobieren heisst für Kinder vor allem spielen. Und dazu brauchen sie kein speziell entwickeltes Spielzeug, sie spielen ganz einfach mit allem, sei es Ihr Schmuck, das Essen oder was sonst gerade greifbar ist. Als Eltern müssen Sie sich deshalb entsprechend einrichten, ansonsten Sie sich sehr schnell überfordert fühlen werden, weil Sie dauernd irgendetwas vor vor dem Kind in Sicherheit bringen müssen oder Angst vor irgendwelchen wirklichen oder bloss vermeintlichen Gefahren haben. In dieser Zeit lernt das Kind in erster Linie durch Erfahrungen, die es selbst macht und durch nachahmen, das heisst indem es seine Eltern zum Vorbild nimmt. Wann das Kind was lernt, bestimmt es selbst. Sie brauchen ihm weder nachzuhelfen, noch sich Sorgen machen, wenn es früher oder später laufen oder sprechen lernt als der statistische Durchschnitt: Ihr Kind ist einmalig und lernt deshalb individuell. Kinder brauchen grundsätzlich auch kein Spielzeug oder gar Lernhilfen. Alles, was ein Kind braucht, hat es schon in sich: Lebenswille, Neugier und Freude an dem, was es bewirken kann.

Lernen bedeutet auch zu erfahren, wie etwas nicht funktioniert. Missgeschicke, Hinfallen und ähnliches können häufig schmerzhaft sein. Das ist allerdings für das Kind alles halb so schlimm, wie Eltern häufig meinen - wenn das Kind dabei bloss wirklichen Trost erhält! Trost ist ein Grundbedürfnis des Kindes und lässt beinahe jeden Schmerz verkraften. Versuchen Sie deshalb nicht das Kind vor schmerzhaften Erfahrungen zu behüten, bloss weil Sie das Schreien nicht aushalten können. Die allermeisten Gefahren sind bloss Bagatellgefahren, also solche ohne wirkliches Verletzungsrisiko. Wenn das Kind zum Beispiel wie wild Purzelbäume schlägt, muss es auch erfahren dürfen, dass es sich irgendwo anschlagen kann. Denn nur so lernt es, achtsam auf den Raum zu werden. Wenn Sie hingegen dauernd den im Weg stehenden Stuhl verschieben, nehmen Sie ihm diese Lernerfahrung und die Chance ist gross, dass es sich später, wenn es nicht mehr unter Ihrer stetigen Beobachtung steht, und die Gefahren erst noch grösser geworden sind, umso mehr weh tut.

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Lernen durch Nachahmung

Kinder lernen auch durch Nachahmen. Dabei machen sie grundsätzlich keinen Unterscheid zwischen "gut" und "schlecht", insbesondere dann, wenn sie ihre eigenen Eltern zum Vorbild nehmen, denen sie ja von Natur aus zunächst einmal vollkommen vertrauen. Sie sollten sich deshalb bewusst sein, dass Kinder von Ihnen auch das lernen, was sie besser sein lassen würden, also Dinge wie schlechte Angewohnheiten oder sonstige Eigenheiten. Das ist erstens unvermeidlich und zweitens auch nicht ganz so schlimm, wie es auf den ersten Blick aussehen mag. Wichtig ist aber, dass Sie sich diesem "Vererben" bewusst sind. Das gäbe Ihnen nämlich die Möglichkeit, Ihr eigenes Verhalten zu überdenken und allenfalls zu ändern, also von Ihrem Kind zu lernen!

Meist noch grösser ist die Furcht der Eltern, dass sich Kinder ausserhalb der Familie die "falschen" Leute zum Vorbild nehmen. Dieses Risiko besteht tatsächlich, allerdings ist auch dieses nicht derart gross, wie man meinen könnte. Denn erstens vertrauen Kindern in den ersten vier Jahren vor allem ihren Eltern und nehmen folglich vor allem diese zum Vorbild und zweitens kann das Kind, genügend Selbstvertrauen vorausgesetzt, danach schon sehr gut selbst beurteilen, was sich nachzuahmen lohnt und was besser nicht. Entscheidend ist also, dass Sie gelernt haben, Ihrem Kind beziehungsweise dessen Fähigkeiten und Empfinden zu vertrauen, sodass das Kind entsprechend Selbstvertrauen aufbauen konnte. Es gibt für ein Kind keinen besseren Schutz vor falschen Freunden (oder gar Missbrauch) als sein eigenes, intaktes Empfinden für das, was ihm gut tut. Je konsequenter die Eltern dieses Empfinden in den ersten Jahren respektieren, desto mehr vertraut das Kind sich selbst und kann beurteilen, wen oder was es sich ausserhalb der Familie zum Vorbild nimmt.

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Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)

Wenn das Kind beginnt, seinen Willen zu entwickeln, wird seine Lernmotivation gewissermassen noch potenziert: Es entdeckt nun, was es alles erreichen kann, wenn es nur will. Es ist denn auch kein Zufall, wenn Eltern von ihren Dreijährigen vermuten, dass sie möglicherweise hochbegabt seien. In diesem Alter entwickeln viele Kinder die erstaunlichsten Lernfähigkeiten und beginnen auch mal gerne den Spiess umzukehren und ihre eigenen Eltern zu belehren. Kosenamen wie "Dreikäsehoch" oder "Naseweis" zeugen davon. Als Eltern sollten Sie sich dadurch aber nicht irritieren lassen. Wohl dürfen Sie sich über die Leistungen Ihrer Sprösslinge freuen, doch sollten Sie auch achtsam sein, um was es geht: Lassen Sie sich nicht einfach herumdirigieren, weil Sie es lustig finden oder sich nicht getrauen sich zu wehren. Wenn das Kind allzu übermütig wird, braucht es Grenzen. Das Kind darf und soll erfahren, dass es mit seinem Willen viel erreichen kann, es soll aber auch unmissverständlich zu hören bekommen, wenn es zu weit geht.

In dieser Phase lernen Kinder Grenzen besonders effizient durch Regeln. Während in der Phase der Vertrauensbildung noch (einseitige) Abmachungen Ihrerseits genügten, sollten Sie jetzt mit dem Kind zusammen Vereinbarungen suchen. Das Kind lernt dadurch Verantwortung zu übernehmen. Sie können zum Beispiel mit ihm vereinbaren, dass es zwar den Küchenschrank mit den Kochtöpfen ausräumen darf, diese danach aber auch wieder einräumen muss. So wird der Wille des Kindes gewissermassen kultiviert und es kann daraus im Laufe der Entwicklung ein freier Wille werden. Diese sogenannte Autonomiephase wird im übrigen selten ohne Tobsuchtsanfälle über die Bühne gehen. Damit umzugehen lernen, ist aber die Aufgabe der Eltern!

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Sozialisation bis Pubertät (etwa 4 bis 16 Jahre)

Das wichtigste für das Leben sollte das Kind also schon vor dem Eintritt in die (Vor)Schule gelernt haben. Das heisst, es sollte genügend Selbstvertrauen und Respekt für Grenzen haben, um auch in einer Gruppe ausserhalb der Familie bestehen und sich einbringen zu können. Ihre Erziehungsarbeit kann sich dann mehr und mehr auf eine Art Begleitung reduzieren. Dies gilt umso mehr, als Ihr Einfluss im Rahmen der Sozialisation sehr stark abnimmt.

Schule

Das selbständige, und erst recht das freie, Lernen ist in den meisten Schulen auch heute noch leider erst ansatzweise als Idee anerkannt. Stattdessen diktieren meistens mehr oder weniger streng einzuhaltende Lehrpläne den Alltag. Auch wenn die Absicht hinter Lehrplänen durchaus sinnvoll sein mag, insbesondere standardisierte Leistungsausweise im Hinblick auf die Berufsbildung, sollte doch vermehrt berücksichtigt werden, dass sich Kinder, höchst unterschiedlich entwickeln und dementsprechend ebenso höchst individuelle Lernbedürfnisse haben. Als Eltern haben Sie, abgesehen von der Schulwahl, auf die Unterrichtsmethoden und -inhalte natürlich kaum Einfluss, was an sich richtig ist, ansonsten ein vernünftiges Arbeiten der Lehrer bald kaum mehr möglich wäre, doch sollten Sie sich zumindest der Problematik bewusst sein (siehe auch den Exkurs: Kritik an der Schule). Denn Kinder brauchen schon ein gewisses Mindestmass an Frustrationstoleranz um mit traditionellen Lernmethoden umgehen zu können und die Gefahr ist gross, dass sie die Lust am lernen viel zu früh verlieren. Das ist schliesslich eine Misere für alle Beteiligten, also für die Schulen wie auch für die Gesellschaft, vor allem aber natürlich für das Kind selbst. Denn gerade eine Gesellschaft, die auf ein lebenslanges Lernen ihrer Mitglieder angewiesen ist, verpufft enorm viel Energie, wenn den Auszubildenden die Lust schon in frühester Kindheit abhanden gekommen ist.

Die wichtigste Voraussetzung für schulischen Erfolg ist deshalb, dass Sie in den ersten Jahren dem Kind die Lust am lernen gelassen haben, indem Sie es die Welt selbst entdecken liessen und ihm Verantwortung für sein Tun überlassen haben. Dann nämlich ist die Wahrscheinlichkeit umso grösser, dass es auch mit herkömmlichen Lernmethoden umgehen kann.

Freizeitaktivitäten

Was schon für den Schulstoff gelten sollte, hat für Freizeitaktivitäten natürlich noch viel mehr Bedeutung: Die Lust sollte unbedingt im Vordergrund stehen. Ein Zwang zum Musizieren macht nicht den geringsten Sinn, sondern verdirbt einzig die Freude daran. Eine andere Frage ist, wie das Kind motiviert werden kann, eine gewisse Disziplin einzuhalten, die natürlich notwendig ist, wenn zum Beispiel die Geige einmal gut klingen soll. Dazu können Sie zum Beispiel mit dem Kind zuerst einmal besprechen, was es denn überhaupt erreichen will. Genügt es ihm, einfach mit Kameraden Fussball zu spielen, oder will es möglichst bald einem Verein beitreten, der sich eine Auslese leisten kann? Im zweiten Fall, können sie ihm erklären, was dazu nötig und es fragen, ob es denn auch zu diesem Einsatz bereit ist. Da Sie als Eltern in der Regel auch etwas beisteuern müssen, sei es Geld, sei es Zeit, sollten Sie auch das als Argument einbringen, sodass dem Kind bewusst wird, dass auch Sie sich anstrengen müssen. Treffen Sie mit ihm dann Vereinbarungen, wo Sie mit dem Kind zusammen auch festlegen, was geschehen soll, wenn das Kind das Üben zu sehr vernachlässigt. Entscheidend ist, dass sich das Kind verantwortlich fühlt für das, was es erreichen will. Ihnen kommt vor allem die Aufgabe zu, die gesteckten Ziele auf ihre Realisierbarkeit zu prüfen, denn das ist auch für Jugendliche noch ziemlich schwierig.

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Erwachsenwerden (etwa 16 bis 25 Jahre)

Berufsbildung

Wurde den Jugendlichen ihre natürliche Lernfreude belassen, werden sie sich nun freuen, von der Schulbank endlich in die Praxis gehen zu können um einen Beruf zu erlernen. Erste Voraussetzung für diese Freude ist, dass der Jugendliche seinen Beruf selbst wählen kann. Das sollten Sie als Eltern gerade auch dann bedenken, wenn Sie zum Beispiel ein eigenes Geschäft haben und sich erhoffen, dass Sie es irgendwann Ihren Kindern übergeben können, ansonsten weder Sie noch Ihre Kinder damit glücklich werden! Wenn Kinder selbst entscheiden dürfen, werden sie auch die Verantwortung für die Folgen viel selbstverständlicher übernehmen, also auch dann noch lernen, wenn es einmal nicht so spannend ist oder schwieriger wird. Eine gewisse Frustrationstoleranz wird nämlich, zweite Voraussetzung, meistens nötig sein. Die Frustrationstoleranz hängt aber ganz entscheidend davon ab, was das Kind in den beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung erlebt hat: Wurden seine Grundbedürfnisse möglichst immer und bedingungslos befriedigt? Haben Sie seinen Fähigkeiten vertraut? Und durfte es seinen Willen behalten, währenddem Sie ihm auch angemessen Grenzen setzten?

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Freizeitaktivitäten

Was schon bis jetzt hätte gelten sollen, gilt nun endgültig: Überlassen Sie die Gestaltung der Freizeit den Jugendlichen selbst. Übergeben Sie aber auch die Verantwortung, indem Sie zum Beispiel ein Budget festlegen, das nicht nur von den tatsächlichen Kosten abhängig ist, sondern auch davon wie intensiv der Jugendliche übt oder trainiert (der Erfolg hingegen sollte kein Kriterium sein). Und falls Sie Angst davor haben, diese Verantwortung abzugeben, sollten Sie sich wenigstens bewusst sein, dass es nun definitiv zu spät ist: In diesem Alter wollen Jugendliche selbst bestimmen und Widerspruch der Eltern wird geradezu als Aufforderung empfunden, es trotzdem zu machen. Bringen Sie besser den Mut auf, auch einmal etwas auf den ersten Blick Unvernünftiges probieren zu lassen: Jugendliche müssen in diesem Alter bewusst die Grenzen des Gewohnten und Üblichen durchbrechen können, um danach wieder auf einen Mittelweg zu gelangen. Bleiben Sie aber möglichst im Kontakt, indem Sie sich für die Aktivitäten interessieren. Das gibt Ihnen immer wieder mal die Chance, Neues und Überraschendes kennenzulernen, und dem Jugendlichen die Möglichkeit zum reflektieren. Vertrauen Sie darauf, dass Sie die Grundlagen für vernünftiges Verhalten bereits in den ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung gelegt haben und Sie danach weder viel ändern müssen noch ändern können!

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Lernfreude und Lernfaulheit

Jedes Kind hat von Natur aus grosse Lust zu lernen, jedenfalls solange ihm diese nicht verdorben wird. Als Eltern brauchen Sie sich also keine Sorgen zu machen, dass das Kind nicht von sich aus lernen würde. Hingegen sollten Sie sich bewusst sein, wie Sie die von Geburt an vorhandene Freude am Lernen dem Kind belassen können.

Erhaltung der Lernfreude

Kinder lernen vor allem in den beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung am schnellsten und am meisten. Sie müssen deshalb bei folgenden Themen besonders achtsam sein:

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Beeinträchtigung der Lernfreude

Demgegenüber gibt es Einiges, was Eltern zwar in bester Absicht unternehmen, für das Lernen des Kinder aber kontraproduktiv sein kann, so zum Beispiel:

Autoritative Erziehungsmethoden beinhalten häufig solche Elemente und mögen anfangs sogar insofern funktionieren, als das Kind zum Lernen angetrieben wird, doch langfristig enden sie regelmässig im Fiasko. Denn irgendwann wird jedes Kind entweder rebellieren oder, je nach Persönlichkeit, resignieren. Resultat ist dann häufig eine Totalverweigerung, deren Überwindung riesige Anstrengungen notwendig machen können. Bedenkt man, dass die Gesellschaft heutzutage die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen verlangt, sollte klar werden, wie entscheidend es ist, dem Kind in den ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung die Lust am Lernen zu lassen!

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Das grosse Missverständnis: Wer lernt von wem?

Eines der grössten Missverständnisse in der Erziehung ist, dass es die Kinder seien, die von den Eltern lernen müssten. Denn erstens lernen Kinder völlig freiwillig und aus eigenem Antrieb, es sollte für sie also vielmehr ein Recht als eine Pflicht sein. Und zweitens haben gerade die Eltern am meisten zu lernen, wenn sie Kinder zu selbständigen und beziehungsfähigen Menschen erziehen wollen. So ist es zumindest am Anfang gar nicht so einfach, die Grundbedürfnisse des Kindes richtig einzuschätzen oder den Fähigkeiten des Kindes wirklich zu vertrauen.

Als Eltern können Sie zudem ganz nebenbei von Kindern Fähigkeiten lernen, die Ihnen im Laufe der Zeit womöglich abhanden gekommen sind. Denn Kinder sind wunderbare Lehrmeister, wenn es um Dinge geht wie zum Beispiel Vertrauen, Geduld, Freude, Lebenslust oder Toleranz.

Die Entwicklung des Kindes, beziehungsweise dessen Erziehung, ist ein einziger Lernprozess, nicht nur für das Kind selbst, sondern ebenso für dessen Eltern. Doch während das Kind aus eigenem Antrieb und mit grösster Freude lernt, ist es bei den Eltern häufig gerade umgekehrt: Sie lernen erst, wenn Sie sich gezwungen sehen, weil sie eine "Fehlentwicklung" bemerken oder mit dem Kind "nicht mehr klar kommen" (und die Verantwortung dafür womöglich noch in der Veranlagung des Kindes suchen).

Schliesslich kommt hinzu, dass das Problem regelmässig erst zu spät, das heisst nach den beiden ersten, alles |entscheidenden Phasen der Erziehung bemerkt wird. Dann werden Korrekturen in Form von "Nacherziehen" aber ungleich schwieriger, da nun die beiden konträren Grundprinzipien der Erziehung gleichzeitig gelernt werden müssen: Vertrauen aufbauen und Grenzen setzen. Es wäre so viel einfacher gewesen, wenn diese beiden (ebenso komplementären!) Prinzipien nacheinander hätten gelernt werden können, zumal jedes für sich allein ja für die meisten Eltern schon anspruchsvoll genug ist.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnetes Prinzip

Selbstvertrauen (erstes Grundprinzip der Erziehung)