Phasen der Erziehung

Aus Das Zweimalzwei der Erziehung
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Bedeutung für die Erziehung

Für die eigentliche Erziehung sind gemäss dem "Zweimalzwei der Erziehung" nur die ersten rund vier Jahre wirklich massgebend. Dabei geht es um je rund zwei Jahre

Wenn die Eltern in dieser Zeit gelernt haben, dem Kind zunächst zu vertrauen und ihm danach Grenzen zu setzen, ist es nach rund vier Jahren bereits so reif, dass die eigentlichen Erziehungsaufgaben erfüllt sind und sich die Eltern für den Rest auf eine Art Begleitung beschränken können.

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Schwangerschaft und Geburt

Während der Schwangerschaft bietet sich den Eltern vor allem die Gelegenheit, sich über ihre Einstellung zu Kindern Gedanken zu machen - und vielleicht sogar überhaupt ein wenig über das Leben an sich nachzudenken. Wichtig ist bloss eines: Die Erziehung des Kindes beginnt nicht erst dann, wenn die Probleme kommen, sondern vom ersten Tag an! Darauf sollten sich die Eltern gemeinsam vorbereiten, so wie sie sich üblicherweise auch auf die Geburt vorbereiten. Dabei geht es vor allem um den Erziehungsstil. Das "Zweimalzwei der Erziehung" ist nur eine Möglichkeit von vielen. Insbesondere die beiden hier beschriebenen Grundprinzipien und die Ziele der Erziehung sollten für Sie Sinn machen. Das genügt aber auch schon, denn den Rest müssen Sie sowieso selbst erfahren. Entscheiden Sie also immer wieder von Neuem nach Ihrem Gespür, ob die hier gemachten Ausführungen für Sie stimmen!

Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)

Erziehung beginnt spätestens mit der Geburt, denn es geht zunächst vor allem um die Haltung dem Kind gegenüber: Die Eltern sollten schon während der Schwangerschaft Vertrauen in das neue Leben entwickeln. Vertrauen, dass Mutter und Kind die Geburt gut überleben, dass das Kind nach der Geburt atmet und an der Mutterbrust gestillt werden kann.

Die beiden ersten Jahre des Kindes sind geprägt vom Aufbau der Beziehung zwischen dem Kind und den Eltern. Und das Fundament jeder Beziehung heisst Vertrauen. Dafür sind allein die Eltern verantwortlich: Während das Kind schon mit einem umfassenden Vertrauen in das Leben und seine Eltern zur Welt kommt, müssen die Eltern zuerst lernen, den Grundbedürfnissen und und den Fähigkeiten des Kindes zur vertrauen. Das ist zumindest am Anfang nicht ganz einfach, denn sowohl die Grundbedürfnisse als auch die Fähigkeiten des Kindes müssen von den Eltern zunächst noch erahnt oder doch zumindest erspürt werden. Das Kind kann sich zwar durch Mimik und Gestik schon sehr früh äussern, doch hat der Mensch in der westlichen Zivilisation die Fähigkeit zum Lesen solcher Äusserungen in der Regel nicht mehr. So bleibt dem Kind allzu oft nur noch zu schreien übrig, um den Eltern seine Bedürfnisse mitzuteilen.

Die Grundbedürfnisse nach Nahrung, Wärme und Nähe sind offensichtlich und werden in der Regel von den Eltern auch schon intuitiv erkannt und befriedigt. Zu den Grundbedürfnissen des Kindes gehören aber auch Dinge wie Beachtung oder Trost. Entscheidend ist dabei, dass das Kind in den ersten beiden Jahren, das heisst vor der Willensbildung, ausschliesslich Grundbedürfnisse hat (also weder Wünsche, die warten könnten noch irgendwelche egoistischen Absichten). Geben Sie dem Kind in dieser Phase deshalb möglichst alles, was es verlangt. Grenzen müssen Sie bloss dort setzen, wo Ihre eigenen Kräfte überschritten werden oder wirkliche Gefahren drohen. Grundbedürfnisse des Kindes sind zudem immer existenziell, das heisst sie müssen sofort und und umfassend befriedigt werden. Das Kleinkind kann nicht warten, da es noch keine Vorstellung von Zukunft hat, alles geschieht in der unmittelbaren Gegenwart, also sozusagen akut.

Vertrauen heisst in dieser Zeit "Ja" sagen. Und dies grundsätzlich immer und zu Allem. Wenn Sie Grundbedürfnisse befriedigen, können Sie das Kind ausschliesslich in einem positiven Sinne verwöhnen. Verwöhnen bedeutet, dass Sie dem Kind genau das geben, was es verlangt und genau dann, wenn es verlangt und nur so viel, wie es verlangt!

Die Fähigkeiten des Kindes können Sie als Eltern bloss erahnen. Stellen Sie sich den Samen einer Pflanze vor: klein, unscheinbar und noch gar nichts von der ganzen, möglichen Blütenpracht, die irgendwann aus ihm werden kann. Genau so verhält es sich auch mit den Fähigkeiten des Kindes: sie werden sich entwickeln, sobald die Zeit dafür reif ist. Ihr Kind braucht bloss eines: Ihr uneingeschränktes Vertrauen, dass es das kann, und zwar selbst, ohne irgendeine Hilfe!

Wenn Sie dem Kind vertrauen, entwickelt es in gleichem Masse sein Selbstvertrauen. Selbstvertrauen bedeutet, dass das Kind an sich selbst und an seine Fähigkeiten glaubt. Selbstvertrauen ermöglicht dem Kind, seine Persönlichkeit zu entwickeln, diese zu schätzen und überhaupt sein ganzes Potential an Kreativität abzurufen. Selbstvertrauen ist denn auch nebst einem freien Willen die wichtigste Voraussetzung zur Selbständigkeit und Beziehungsfähigkeit, also dem eigentlichen Ziel der Erziehung.

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Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)

Die zweite Phase der Erziehung beginnt mit der Entwicklung des Willens, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr. Auf einmal kommt zum Vertrauen eine ganz neue Dimension hinzu, nämlich dann, wenn das Kind plötzlich "Nein!" oder "Ich will!" sagt. Das ist zwar ein Zeichen der gesunden Entwicklung des Kindes, aber auch eine Herausforderung für die Eltern. Denn nun lautet Ihre Antwort nicht mehr einfach "Ja", sondern es geht darum, dass Sie dem Kind und seinem Willen Grenzen setzen.

Der Wille ist nach dem Selbstvertrauen die wichtigste Kraft des Menschen, doch muss er bei seiner Entwicklung gewissermassen kultiviert werden, soll aus dieser Urkraft ein freier Wille entstehen. Denn der Wille entwickelt sich im Kind in der Regel sehr abrupt und zunächst einmal "ohne Rücksicht auf Verluste". Wenn das Kind etwas will (oder eben nicht will), drückt es dies mit seiner ganzen ihm zur Verfügung stehenden Energie aus. Dem müssen Sie lernen standzuhalten. Das "Zauberwort" dazu heisst "Nein!", einmal, aber laut und deutlich ausgesprochen. Dabei dürfen Sie sich auch nicht vor "Tobsuchtsanfällen" fürchten (die allerdings halb so schlimm sind, wenn Sie erst einmal gelernt haben, damit umzugehen!).

Voraussetzung dafür, dass Sie dem Kind konsequent "Nein!" sagen können, ist dass Sie zuvor auch wirklich "Ja" gesagt haben, das heisst ein genügend tragfähiges Vertrauensverhältnis aufbauen konnten. Denn nur dann werden Sie dem Kind auch Grenzen zumuten können, ansonsten wird sich das Kind abgelehnt führen oder Sie werden sich Ihrerseits schon gar nicht dazu überwinden können, weil Sie Angst haben "zu hart" zu sein.

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Weitere Phasen

Sozialisation bis Pubertät (etwa 4 bis 16 Jahre)

Nach diesen ersten vier Jahren sollte das Kind genügend reif sein, um sich fortan gewissermassen selbstständig weiterzuentwickeln: Die Persönlichkeit ist bereits weitgehend ausgebildet und das Kind sollte genügend Selbstvertrauen haben, um auch in einer Gruppe ausserhalb der Familie bestehen zu können und seine Umwelt respektieren zu können. Ihre Erziehungsarbeit kann sich deshalb auf eine Art Begleitung beschränken. Gerade in der Phase der Pubertät geht es für Jugendliche in erster Linie darum, sich von en Eltern und deren Vorstellungen und Lebensformen zu lösen und eigene Ideen zu entwickeln. Mit dieser Distanzierung müssen Sie als Eltern lernen umzugehen, das heisst Sie müssen darauf vertrauen können, dass Sie Ihre Erziehungsarbeit in den ersten vier Jahren genügend gut erfüllt haben, sodass der Jugendliche gewissermassen das "Heft selbst in die Hand nehmen" kann.

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Erwachsenwerden (etwa 16 bis 25 Jahre)

Das gilt in der nächsten, abschliessenden Phase der Betreuung umso mehr. Wohl besteht in der Regel noch ein gewisses Ungleichgewicht, weil Jugendliche heutzutage in diesem Alter noch in der Ausbildung stehen und schon deshalb kaum für ihren Lebensunterhalt aufkommen können, sodass sie noch in einer gewissen Abhängigkeit zu den Eltern stehen. Doch entwickeln die meisten in dieser Zeit durchaus den Willen, für sich selbst aufkommen zu können und wollen gar ausziehen. Dagegen mögen häufig wirtschaftliche Gründe sprechen, doch sollten Sie sich auch immer wieder bewusst sein, dass dieses Streben nach Unabhängigkeit der natürlichen Entwicklung eines Kindes entspricht.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnete Prinzipien


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