Schule: Unterschied zwischen den Versionen

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==Schulkameraden==
 
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Die Wichtigkeit von [[Kameradschaft|Kameraden]] für Kinder muss kaum betont werden. Doch nicht allen Kindern gelingt es gleich leicht, Kameraden zu gewinnen. Kameradschaft setzt eine gewisse [[Reife]] voraus. Ein gemeinsames Interesse (wie [[Spielen]], [[Sport]] oder eben die Schule) genügt noch nicht: Das Kind muss auch fähig sein, die [[Bedürfnisse]] anderer wahrzunehmen und zu [[Respekt des Kindes|respektieren]], zusammen [[Regeln]] zu erarbeiten und dabei auch noch genügend [[Selbstvertrauen]] haben, um zu seiner eigenen [[Persönlichkeit]] zu stehen. Wenn Kinder in die Schule eintreten, sollten sie ein gewisse Mindestmass an Reife zwar bereits mitbringen. Doch ist das allein noch kein Garant dafür, dass Kinder nicht immer wieder eine Art ungute [[Gruppendynamik]] entwickeln und andere Kinder aus nichtigen oder gar keinen Gründen [[ausschliessen|auszuschliessen]] oder zu [[hänseln]] versuchen. Opfer sind dabei zwar häufig eigentliche [[Störenfried|Störenfriede]] oder [[Duckmäuser]], also unreife Kinder, gegen die zu wehren noch einfach nachvollziehbar ist. Ebenso häufig geht es aber schlicht um die Suche nach der richtigen Gruppe, also gemeinsamen Interessen und Wertvorstellungen: Kinder probieren dabei einfach mal aus, wie es ist, wenn sie sich mit anderen zusammentun oder eben andere von sich stossen. So können sie herausfinden, was zu ihnen passt und was nicht. Es ist also nicht viel anders, als wenn Erwachsene ihr eigenes Wohnumfeld, die ideale Arbeitsstelle oder irgendeinen Verein selbst bestimmen wollen. Der grosse Unterscheid liegt darin, dass es Kindern noch verwehrt ist, ihr Umfeld selbst zu bestimmen: Sie müssen die Wohnung, die Schule, die Verwandtschaft usw. weitgehend so akzeptieren, wie sie von den Eltern gewählt wurden. Und somit eben auch die Kollegen, von denen sie sich dann unter Umständen entsprechend unzimperlich zu distanzieren versuchen.
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Die Wichtigkeit von [[Kameradschaft|Kameraden]] für Kinder muss kaum betont werden. Doch nicht allen Kindern gelingt es gleich leicht, Kameraden zu gewinnen. Kameradschaft setzt eine gewisse [[Reif|Reife]] voraus. Ein gemeinsames Interesse (wie [[Spielen]], [[Sport]] oder eben die Schule) genügt noch nicht: Das Kind muss auch fähig sein, die [[Bedürfnisse]] anderer wahrzunehmen und zu [[Respekt des Kindes|respektieren]], zusammen [[Regeln]] zu erarbeiten und dabei auch noch genügend [[Selbstvertrauen]] haben, um zu seiner eigenen [[Persönlichkeit]] zu stehen. Wenn Kinder in die Schule eintreten, sollten sie ein gewisse Mindestmass an Reife zwar bereits mitbringen. Doch ist das allein noch kein Garant dafür, dass Kinder nicht immer wieder eine Art ungute [[Gruppendynamik]] entwickeln und andere Kinder aus nichtigen oder gar keinen Gründen [[ausschliessen|auszuschliessen]] oder zu [[hänseln]] versuchen. Opfer sind dabei zwar häufig eigentliche [[Störenfried|Störenfriede]] oder [[Duckmäuser]], also unreife Kinder, gegen die zu wehren noch einfach nachvollziehbar ist. Ebenso häufig geht es aber schlicht um die Suche nach der richtigen Gruppe, also gemeinsamen Interessen und Wertvorstellungen: Kinder probieren dabei einfach mal aus, wie es ist, wenn sie sich mit anderen zusammentun oder eben andere von sich stossen. So können sie herausfinden, was zu ihnen passt und was nicht. Es ist also nicht viel anders, als wenn Erwachsene ihr eigenes Wohnumfeld, die ideale Arbeitsstelle oder irgendeinen Verein selbst bestimmen wollen. Der grosse Unterscheid liegt darin, dass es Kindern noch verwehrt ist, ihr Umfeld selbst zu bestimmen: Sie müssen die Wohnung, die Schule, die Verwandtschaft usw. weitgehend so akzeptieren, wie sie von den Eltern gewählt wurden. Und somit eben auch die Kollegen, von denen sie sich dann unter Umständen entsprechend unzimperlich zu distanzieren versuchen.
  
 
Hier kommt denn auch den Lehrern eine eigentliche Erziehungsaufgabe zu: Sie müssen einerseits dafür sorgen, dass sich die Kinder ihre Kameraden frei wählen können, anderseits aber auch integrierend wirken, indem sie zur Sprache bringen, wenn einzelne Kinder [[Ausschliessen|ausgeschlossen]] oder [[Hänseln|gehänselt]] werden. Diese Pflicht kommt den Lehrern zu, denn sie bilden die Autoritätsperson. Eltern sind in der Schule ja abwesend und können bloss wahrnehmen, was ihnen die Kinder von der Schule berichten. Wenn Sie also den Eindruck haben, dass Ihr Kind sich in der Schule mit seinen Kameraden nicht wohl fühlt, müssen sie nachfragen und allenfalls Kontakt mit dem Lehrer aufnehmen. An diesem liegt es dann, solche Themen offen und direkt in einem geeigneten Rahmen in der Klasse anzusprechen, das heisst zum Beispiel, die Klassenkameraden mit der Situation zu [[konfrontieren]] und mit ihnen nach einer Lösung zu suchen.
 
Hier kommt denn auch den Lehrern eine eigentliche Erziehungsaufgabe zu: Sie müssen einerseits dafür sorgen, dass sich die Kinder ihre Kameraden frei wählen können, anderseits aber auch integrierend wirken, indem sie zur Sprache bringen, wenn einzelne Kinder [[Ausschliessen|ausgeschlossen]] oder [[Hänseln|gehänselt]] werden. Diese Pflicht kommt den Lehrern zu, denn sie bilden die Autoritätsperson. Eltern sind in der Schule ja abwesend und können bloss wahrnehmen, was ihnen die Kinder von der Schule berichten. Wenn Sie also den Eindruck haben, dass Ihr Kind sich in der Schule mit seinen Kameraden nicht wohl fühlt, müssen sie nachfragen und allenfalls Kontakt mit dem Lehrer aufnehmen. An diesem liegt es dann, solche Themen offen und direkt in einem geeigneten Rahmen in der Klasse anzusprechen, das heisst zum Beispiel, die Klassenkameraden mit der Situation zu [[konfrontieren]] und mit ihnen nach einer Lösung zu suchen.

Aktuelle Version vom 9. Oktober 2019, 13:03 Uhr

Bedeutung für die Erziehung

Zwar gibt es viele Parallelen und Anknüpfungspunkte zwischen der Erziehung und der Schulbildung, doch entscheidend ist, dass für die Erziehung die Eltern - und nicht etwa die Schulen - verantwortlich sind.

Denn die beiden wichtigsten Aufgaben der Erziehung, Vertrauensbildung und Willensbildung, sollten im Alter von etwa vier Jahren, also noch vor dem Schuleintritt, weitgehend erfüllt sein. Das heisst, dass das Kind einerseits schon so viel Selbstvertrauen entwickeln konnte, dass es sich in einer Schulklasse wohl fühlt und sich seinen Fähigkeiten entsprechend entfalten kann und andererseits die Regeln des Schulbetriebs und seine Schulkameraden respektieren kann.

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Schule und Erziehung

Ist das Kind genügend selbständig und beziehungsfähig, ist es auch schulreif, das heisst, es kann seine Persönlichkeit auch ausserhalb des Elternhauses frei entwickeln. Die Erziehungsarbeit der Eltern kann sich auf eine Art Begleitung beschränken. Lehrer stellen aber häufig fest, dass viele Kinder beim Schuleintritt eigentlich noch nicht genügend sozialisiert sind und Eltern womöglich die Forderung an die Schule stellen, dass diese gewissermassen die "Nacherziehung" übernehmen („Mein Sohn lernt dann dort schon, dass er Regeln akzeptieren muss“). Das ist sowohl für das Kind als auch für die Lehrerschaft aber äusserst problematisch: Zum einen werden Kinder, die zum Beispiel Mühe haben, die Grenzen der Mitschüler zu respektieren, regelmässig als Störenfriede von ihren Kameraden gemieden und zum anderen beeinträchtigt es den Schulbetrieb massiv, wenn die Lehrer dauernd mit Disziplinierungen beschäftigt sind. Umgekehrt fallen Duckmäuser zwar weniger auf, doch kann ihr Verhalten genauso problematisch sein, wenn sie zum Beispiel ihre Aggressionen im Versteckten ausüben. So oder so leiden alle darunter, auch die Eltern: Kinder mit wenig Selbstvertrauen oder einem unkultivierten Willen sind weniger selbständig und weniger beziehungsfähig. Da sie von Natur aus aber beides anstreben, werden sie nach Ersatzbefriedigung suchen und gefährden sich damit regelmässig selbst, zum Beispiel durch übermässige Risiken, später durch übermässigen Suchtmittelkonsum, Nacheifern von Idolen (oder gar Gurus) und ähnliches.

Lehrer werden sich für derartiges, problematisches Verhalten zu Recht selten zuständig fühlen. Zwar können geschickte Lehrer einiges im Sinne der "Nacherziehung" bewirken, doch werden sich die meisten verständlicherweise damit begnügen, die Eltern auf therapeutische Hilfestellungen aufmerksam zu machen. Der "Lieblingsstempel", den Kinder in solchen Fällen verpasst bekommen, heisst häufig ADHS. Damit wird das Kind gewissermassen "krank geschrieben" und viele Eltern sind glücklich, damit die Verantwortung an Therapeuten abgeben zu können, statt sich über das eigene Erziehugnsverhalten Gedanken machen zu müssen.

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Vorbilder

Lehrer sollten also, abgesehen von gelegentlich nötigen Disziplinierungen, nicht als eigentliche Erzieher tätig sein müssen. Hingegen werden sie von Kindern von Natur aus als Autoritätsperonsen beziehungsweise als Vorbilder wahrgenommen. Damit kommt ihnen eine gewisse erzieherische Funktion zu: Während das Kind in den ersten Jahren durch eigene Erfahrungen und durch Nachahmung der Eltern lernt, erhält es nun auch alternative Vorbilder. Das ist sowohl für das Kind als auch für Sie als Eltern sehr wertvoll, da es seine Selbständigkeit stärkt: Es lernt verschiedene Ansichten gegeneinander abzuwägen, sodass seine Urteilsfähigkeit reift. Wenn Sie schon bisher auch die Ansichten und Meinungen des Kindes respektierten, brauchen Sie sich auch nicht davor zu fürchten, dass Ihr Kind irgendwie schlecht beeinflusst werden könnte, denn es hat ein Gespür dafür entwickelt, was ihm gut und was nicht.

Was den pädagogischen Teil der Lehrerarbeit angelangt, können genau die gleichen Grundsätze der Erziehung zur Anwendung kommen, also Vertrauen und Grenzen: Lehrer sollten sowohl den Fähigkeiten ihrer Schüler vertrauen als auch Grenzen setzen, indem sie zum Bespiel Forderungen an die Schüler stellen oder mit ihnen (Schul-)Regeln vereinbaren. Gerade Kinder, die in dieser Hinsicht in der Familie zu kurz kommen, brauchen in der Schule von beidem etwas mehr. Zur Hauptsache sollten Lehrer aber eben mit der Ausbildung der Schüler beschäftigt sein.

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Lernen

Lernen ist eines der wichtigsten Themen überhaupt in der Erziehung, weshalb es zur Schule zumindest gewisse Parallelen gibt. Während die Schulen in der Regel von einem Lehrplan ausgehen, sollte die Erziehung zumindest in den ersten vier entscheidenden Jahren von der Idee des freien Lernen ausgehen. Das heisst, das Kind sollte wann immer möglich das lernen dürfen, wonach es Lust hat. Und nebst dem "Was" sollte es auch noch das "Wann", das "Wo" und das "Wie" selbst bestimmen dürfen, während das "Warum" vollkommen bedeutungslos ist! Denn Kinder lernen von Natur aus immer genau das, was sie gerade brauchen. Das einzige, was sie von den Eltern benötigen, ist Vertrauen in ihre (noch schlummernden) Fähigkeiten in Form einer gewissen Bestätigung und Anerkennung. Und wenn das Kind entsprechend ermuntert wird, wird es noch viel mehr Freude am Lernen haben. Dieser Gedanke sollte zumindest in den ersten, alles entscheidenden Jahren bestimmend sein. Denn in diesem Alter muss das Kind überhaupt nichts lernen, sondern es darf lernen. Einzig die Eltern haben einiges (!) zu lernen.

Gerade weil die Schule mit Lehrplänen arbeitet (und bis zu einem gewissen Grad auch darauf angewiesen ist), ist es entscheidend, dass Kinder Lernen zuvor als etwas Positives erfahren konnten, ansonsten ihnen die Lust erst recht vergehen wird. Denn die Schule, zumindest in der heutigen Ausgestaltung, erfordert vom Kind bereits ein gewisses Mindestmass an Frustrationstoleranz, ansonsten es die üblichen Methoden und Lerninhalte häufig nur schwer aushalten kann. Kinder hingegen, die wenigstens in den ersten Jahren frei lernen durften, werden auch mit dem Schulstoff sehr viel weniger Mühe haben!

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Hausaufgaben

Über den Sinn und Unsinn von Hausaufgaben kann man geteilter Meinung sein. Die meisten Schulen kennen aber heute noch Hausaufgaben, sodass sich die Kinder und mit ihnen ihre Eltern damit abfinden müssen. Kinder kommen damit ganz unterschiedlich klar, was allerdings nur teilweise mit der Erziehung zu tun hat, denn ob ein Mensch gerne selbständig für sich alleine arbeitet oder lieber im Austausch mit einer Gruppe lernt, ist auch eine Frage der Persönlichkeit.

Kindern, die von Anfang zur Selbständigkeit erzogen wurden und deren Eltern auch genügend in ihre Fähigkeiten vertrauten, fallen natürlich auch Hausaufgaben sehr viel leichter. Inwiefern Eltern dabei helfen oder kontrollieren sollen, ist eine Frage der Abmachungen zwischen den jeweiligen Lehrern und den Eltern. Lehrern müssen also zumindest klar und eindeutig kommunizieren, wie sie sich das vorstellen, ansonsten gewisse Schüler sehr schnell benachteiligt werden.

Selbst wenn Sie der Meinung sind, Hausaufgaben seien an sich unsinnig, bleibt immerhin zu sagen, dass es sich dabei um Pflichten handelt und es somit um Regeln und Grenzen geht. Das heisst, dass Hausaufgaben auch als Instrument betrachtet werden können, um mit dem Kind Vereinbarungen zu üben. Gerade wenn das Kind die Hausaufgaben nicht aus eigenem Antrieb erledigt, müssen Sie mit ihm klare Vereinbarungen treffen (zum Beispiel "Arbeit vor Vergnügen"). Allerdings gibt es durchaus Kinder, die anders funktionieren und zum Beispiel die Rechenaufgaben am liebsten (und am besten!) vor dem Zubettgehen lösen. Hilfreich kann auch sein, wenn Sie sich mal überlegen, wie Sie selbst mit lästigen Pendenzen umgehen und das mit dem Kind besprechen. Betrachten Sie also das Thema als ein Feld für kreative Lösungen (vielleicht gibt es Ihnen zum Beispiel die Möglichkeit, selbst auch wieder einmal etwas zu lernen, wenn Sie dem Kind beim Vokabeln büffeln helfen).

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Schulregeln

Die meisten Kinder dürften beim Schuleintritt schon Erfahrung mit Regeln ausserhalb der Familie gemacht haben (Hausordnung, externe Kinderbetreuung usw.). Aber es gibt es zumindest zwei wesentliche Unterschiede: Schulregeln sind meistens nicht mehr verhandelbar und die Konsequenzen, wenn eine Regel verletzt wird, sind häufig Strafen, über die auch nicht mehr lange diskutiert wird. Demgegenüber sollten Regeln innerhalb der Familie wenn immer möglich mit dem Kind vereinbart werden, das heisst, dass das Kind zumindest ab der Phase der Willensbildung bei der Ausarbeitung miteinbezogen wird. Und Strafen sind in den ersten Jahren nicht bloss nutzlos, sondern geradezu kontraproduktiv.

Auch im Schulalter machen Strafen selten Sinn, zumal es sehr viel bessere Methoden gäbe, wie zum Beispiel die Konfrontation in der Schulklasse. Solche Methoden stärken zudem die Sozialkompetenz der Kinder und wären sehr viel effizienter.

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Schulkameraden

Die Wichtigkeit von Kameraden für Kinder muss kaum betont werden. Doch nicht allen Kindern gelingt es gleich leicht, Kameraden zu gewinnen. Kameradschaft setzt eine gewisse Reife voraus. Ein gemeinsames Interesse (wie Spielen, Sport oder eben die Schule) genügt noch nicht: Das Kind muss auch fähig sein, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen und zu respektieren, zusammen Regeln zu erarbeiten und dabei auch noch genügend Selbstvertrauen haben, um zu seiner eigenen Persönlichkeit zu stehen. Wenn Kinder in die Schule eintreten, sollten sie ein gewisse Mindestmass an Reife zwar bereits mitbringen. Doch ist das allein noch kein Garant dafür, dass Kinder nicht immer wieder eine Art ungute Gruppendynamik entwickeln und andere Kinder aus nichtigen oder gar keinen Gründen auszuschliessen oder zu hänseln versuchen. Opfer sind dabei zwar häufig eigentliche Störenfriede oder Duckmäuser, also unreife Kinder, gegen die zu wehren noch einfach nachvollziehbar ist. Ebenso häufig geht es aber schlicht um die Suche nach der richtigen Gruppe, also gemeinsamen Interessen und Wertvorstellungen: Kinder probieren dabei einfach mal aus, wie es ist, wenn sie sich mit anderen zusammentun oder eben andere von sich stossen. So können sie herausfinden, was zu ihnen passt und was nicht. Es ist also nicht viel anders, als wenn Erwachsene ihr eigenes Wohnumfeld, die ideale Arbeitsstelle oder irgendeinen Verein selbst bestimmen wollen. Der grosse Unterscheid liegt darin, dass es Kindern noch verwehrt ist, ihr Umfeld selbst zu bestimmen: Sie müssen die Wohnung, die Schule, die Verwandtschaft usw. weitgehend so akzeptieren, wie sie von den Eltern gewählt wurden. Und somit eben auch die Kollegen, von denen sie sich dann unter Umständen entsprechend unzimperlich zu distanzieren versuchen.

Hier kommt denn auch den Lehrern eine eigentliche Erziehungsaufgabe zu: Sie müssen einerseits dafür sorgen, dass sich die Kinder ihre Kameraden frei wählen können, anderseits aber auch integrierend wirken, indem sie zur Sprache bringen, wenn einzelne Kinder ausgeschlossen oder gehänselt werden. Diese Pflicht kommt den Lehrern zu, denn sie bilden die Autoritätsperson. Eltern sind in der Schule ja abwesend und können bloss wahrnehmen, was ihnen die Kinder von der Schule berichten. Wenn Sie also den Eindruck haben, dass Ihr Kind sich in der Schule mit seinen Kameraden nicht wohl fühlt, müssen sie nachfragen und allenfalls Kontakt mit dem Lehrer aufnehmen. An diesem liegt es dann, solche Themen offen und direkt in einem geeigneten Rahmen in der Klasse anzusprechen, das heisst zum Beispiel, die Klassenkameraden mit der Situation zu konfrontieren und mit ihnen nach einer Lösung zu suchen.

Schliesslich bedeuten Schulkameraden und deren Familien auch andere Lebensmodelle und Wertvorstellungen. Solche Alternativen zu den eigenen Eltern sind für das Kind sehr wichtig, denn es soll ja seine eigene Persönlichkeit entwickeln (und nicht etwa die von den Eltern übernehmen). Und gerade dazu ist es entscheidend, auch das Andere kennenzulernen, um danach selbständig entscheiden zu können, was passt und was stimmt.

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Schulweg

Der Schulweg, also der Weg vom Elternhaus zur Schule, ist für Kinder die erste Zeit, während der sie ganz ohne Aufsicht von Autoritätspersonen für sich allein sein können. Es ist denn auch ein eigentlicher Vertrauensbeweis, wenn sich die Eltern darauf verlassen können, dass ihr Kind sich an die abgemachten Regeln hält, insbesondere rechtzeitig in der Schule ankommt. Und das Kind seinerseits muss genügend Selbstvertrauen haben, um sich auf dem Weg gegen allerlei kleinere und grössere Gefahren behaupten zu können, beziehungsweise Mittel und Wege finden, um diese zu umgehen.

Der Schulweg ist aber auch die Zeit für Kameradschaften. Das setzt ein Mindestmass an Selbständigkeit und Beziehungsfähigkeit voraus. Der Schulweg sollte für eine gesunde Entwicklung des Kindes nicht unterschätzt werden. Gerade die vemehrt grassierenden "Elterntaxis" rauben dem Kind nicht nur diese wertvolle Erfahrung, sondern stellen ihrerseits eine grosse Gefahr auf dem Schulweg dar (insbesondere vor den Schulhäusern, wo die Autos die Trottoirs verstellen), ganz abgesehen von der eingeschränkten Bewegung.

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Schulwahl

Vielen Eltern stellt sich die Frage nach alternativen Schulen, da ihnen zum Beispiel die Methodik herkömmlicher Schulen nicht angemessen erscheint. Erwägen Sie, das Kind in eine nichtöffentliche Schule zu schicken, sollten Sie, nebst der finanziellen Tragbarkeit, zweierlei beachten: Erstens wird sich das Kind beziehungsweise der Jugendliche irgendwann so oder so mit gewissen gesellschaftlichen Zwängen auseinandersetzen müssen, denn unsere Industriegesellschaft funktioniert als solche natürlich nur dann, wenn sich ihre Mitglieder in einem gewissen Rahmen an ihre Regeln halten. Und genau darauf sind ja Lehrpläne zugeschnitten, oder sollten es zumindest sein. Zudem sollte das Kind bei Schuleintritt auch so reif sein, dass es sich mit gewissen "Widerwärtigkeiten des Lebens" arrangieren kann, wozu eben auch nicht individualisierte und deshalb häufig unpassende Lehrpläne oder veraltete Lernmethoden gehören. Zweitens ist der Umstand nicht zu unterschätzen, dass eine alternative Schule in der Regel bedeutet, dass das Kind von seinen naheliegenden Kameraden getrennt wird und sich dadurch unter Umständen isoliert fühlt, zumal auf einem Schulweg, den es nicht mehr selbständig bewältigen kann. Der Schritt will also gut überlegt sein und wenn immer möglich sollten Sie das Kind in die Entscheidfindung miteinbeziehen! Abgesehen davon darf heutigen Staatsschulen auch eine gewisse Entwicklung hin zu freierem Lernen und fortschrittlicheren Unterrichtsmethoden zugesprochen werden.

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Schulpsychologische Abklärungen und Therapien

Es ist den Errungenschaften der Pädagogik zu verdanken, dass Fehlentwicklungen oder Gebrechen jedwelcher Art bei Schülern frühzeitig erkannt und allenfalls behandelt werden können. Das dient unbestritten der Chancengleichheit oder kann gar aus Sicht des Kindesschutz angebracht sein.

Allerdings ist auch zu beobachten, dass die Abklärungen und damit verbunden die empfohlenen Therapien in einem geradezu grassierenden Ausmass zugenommen haben. Das hat damit zu tun, dass mehr und mehr jede Abweichung von der Norm als Auffälligkeit betrachtet wird, hängt aber auch zusammen mit einer zunehmend schwindenden Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Leben beziehungsweise für die eigene Erziehungsarbeit zu übernehmen. Die Abweichungen von der Norm werden zudem umso grösser, je mehr gemessen wird, was wiederum zu einer unsinnigen Zahlengläubigkeit führen kann. Verstärkt wird dieser eigentliche Teufelskreis noch durch die zunehmende Angst der Lehrer, sie könnten für nicht ernst genommene Risiken von den Eltern belangt werden.

Eltern sollten deshalb wieder vermehrt den Mut aufbringen, ihrem eigenen Gespür zu vertrauen und eine von der Schule empfohlene Abklärung oder gar Therapie zuerst einmal hinterfragen. Denn Kinder entwickeln sich höchst individuell und passen selten in irgendwelche Entwicklungstabellen, die ja zwangsläufig immer von Durchschnittswerten ausgehen. Und Lehrer sollten wieder den Mut haben sich zu fragen, ob die Auffälligkeiten nicht eher mit Erziehungsfehlern als mit Mängeln des Kindes zu tun haben. Denn häufig wäre es angebrachter, Eltern einen Kurs zum Thema Erziehung zu empfehlen als das Kind in einer Therapie zu schicken.

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Zusammenarbeit Schule - Eltern

Wie bei jeder Zusammenarbeit sollten sich die Beteiligten zunächst einmal im Klaren darüber sein, wer für was zuständig ist. Im Grundsatz sind die Eltern für die Erziehung und die Schule für die Bildung verantwortlich. Allerdings gibt es natürlich einige Überschneidungen, wenn zum Beispiel die Kinder bereits von den Eltern lesen oder rechnen gelernt haben oder die Lehrer mit den Kindern Regeln für das respektvolle Zusammenleben entwickeln. Schon aus rein praktischen Gründen ist es weitgehend an der Schule zu bestimmen, wer für was zuständig ist (wenn es zum Beispiel um Hausaufgaben geht). Eltern werden sich zwar im Rahmen von Elternabenden und ähnlichem einbringen können, doch müssen sie sich grundsätzlich mit den Leitlinien der Schule einverstanden erklären können, ansonsten ein effizienter Schulbetrieb nicht möglich ist. Wenn Eltern das aus irgendwelchen nicht wollen (und auch nicht gerade ein klares Fehlverhalten der Schule vorliegt, das allenfalls an einer nächsthöheren Instanz vorgebrachte werden könnte), liegt es an ihnen die Konsequenzen zu ziehen und nach Alternativen zu suchen. Vertrauen Sie also zunächst einmal der Schule, auch wenn Sie vielleicht mit einigem nicht einverstanden sind. Es ist nämlich gut möglich, dass sich Ihr Kind sehr viel besser arrangieren kann! Selbstverständlich müssen Sie aber der Sache nachgehen, wenn Sie spüren, dass Ihr Kind unter etwas leidet.

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Pädagogik

Pädagogik wird im allgemeinen als die Wissenschaft von der Erziehung und Bildung bezeichnet. Dieses Wiki verfolgt ausdrücklich keinen wissenschaftlichen Ansatz, denn für die Erziehung von Kindern genügen "gesunder Menschenverstand" und die Vernunft der Eltern. Die wissenschaftliche Untersuchung des Themas mag viele interessante Erkenntnisse hervorbringen, doch beschränkt sie sich naturgemäss in der Regel auf das, was man mit Zahlen belegen kann. Die Ziele der Erziehung, wie sie dieses Wiki verfolgt, also Selbständigkeit und Beziehungsfähigkeit, können aber kaum gemessen werden.

Anders als Eltern werden Lehrer für Ihre Aufgabe ausgebildet, wozu ein wissenschaftliches Fundament unabdingbar und auch vernünftig ist. Doch hat sich in der Lehrerausbildung mittlerweile eine geradezu verheerende Zahlengläubigkeit breit gemacht, sodass vor lauter Lehrplänen, Zielvereinbarungen, Abklärungen, Beurteilungen und Untersuchungen usw. die individuelle Persönlichkeit der Schüler mehr und mehr vergessen zu gehen droht.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnete Prinzipien


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