Gefahren: Unterschied zwischen den Versionen

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Zusammenfassend kann gesagt werden, dass weniger die Gefahren selbst ein Problem für Kinder sind, als vielmehr eigentliche [[Erziehungsfehler]]. Kinder mit genügend [[Selbstvertrauen]] und [[Respekt des Kindes|Respekt]] gehen viel weniger  [[Risiken]] ein und haben dabei erst noch ein besseres [[Gefahrenbewusstsein]]. Für diese [[Reife]] des Kindes sind Sie als Eltern verantwortlich, es geht um Ihre Erziehungsarbeit [[Phasen der Erziehung|in den ersten Jahren]] des Kindes. Später haben Sie kaum mehr Einfluss auf das Risikoverhalten des Kindes, denn mit der Erweiterung seines Aktionsradius' entzieht es sich mehr und mehr Ihrer Obhut und damit Ihren Möglichkeiten schützend einzugreifen.
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Zusammenfassend kann gesagt werden, dass weniger die Gefahren selbst ein Problem für Kinder sind, als vielmehr eigentliche [[Erziehungsfehler]]. Kinder mit genügend [[Selbstvertrauen]] und [[Respekt des Kindes|Respekt]] gehen viel weniger  [[Risiken]] ein und haben dabei erst noch ein besseres [[Gefahrenbewusstsein]]. Für diese [[Reif|Reife]] des Kindes sind Sie als Eltern verantwortlich, es geht um Ihre Erziehungsarbeit [[Phasen der Erziehung|in den ersten Jahren]] des Kindes. Später haben Sie kaum mehr Einfluss auf das Risikoverhalten des Kindes, denn mit der Erweiterung seines Aktionsradius' entzieht es sich mehr und mehr Ihrer Obhut und damit Ihren Möglichkeiten schützend einzugreifen.
  
 
Entscheidend dafür sind die beiden ersten [[Phasen der Erziehung]]:
 
Entscheidend dafür sind die beiden ersten [[Phasen der Erziehung]]:

Aktuelle Version vom 9. Oktober 2019, 13:03 Uhr

Bedeutung für die Erziehung

Kinder sind schon aufgrund ihrer körperlichen Entwicklung und geringen Erfahrenheit mannigfaltigen Gefahren ausgesetzt, doch wird ihr Gespür für Gefahren häufig unterschätzt und die Gefahren selbst von Eltern ebenso häufig überschätzt.

Das Bewusstsein des Kindes für den Umgang mit Gefahren ist für die Reifung des Kindes von grosser Bedeutung. Es entwickelt sich vor allem in den ersten Jahren. Eltern sollten sich deshalb schon vom ersten Tag an Gedanken darüber machen, wo die wirklichen Gefahren liegen und wie sie diese zusammen mit dem Kind am besten meistern wollen:

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Künstliche Gefahren

Bedeutung

Es gibt in unserer Zivilisation eine ganze Reihe von nichtnatürlichen Gefahren, für die Sie als Eltern zumindest in den ersten Jahren die alleinige Verantwortung übernehmen müssen, da das Kind von Natur aus kein Gespür davor haben kann, so insbesondere:

  • Geräte und Maschinen, Strassenverkehr und Elektrizität
  • Essbesteck und Werkzeug
  • Streichhölzer und Kerzen
  • Medikamente und Gifte (auch Reinigungsmittel, Alkohol usw.)
  • Drogen
  • Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch
  • Überfluss und Reizüberflutung
  • Von der Eltern geschaffene Gefahren

Leider nehmen diese künstlichen Gefahren schon aufgrund der technischen Entwicklung laufend zu - sinnigerweise in gleichem Masse, wie die natürlichen Gefahren abnehmen.

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Geräte und Maschinen, Strassenverkehr und Elektrizität

Für künstliche Gefahren können Kinder noch kein Gespür haben, da sie eben nicht natürlich sind. So sind Kinder zum Beispiel mit der Abschätzung der Geschwindigkeit oder der Entfernung von Autos in den ersten zehn Jahren völlig überfordert. Als Eltern müssen Sie deshalb vorsorgen und gegebenenfalls eingreifen. Die Frage ist bloss: Wie?

Wegsperren und Fernhalten helfen nur bis zu einem gewissen Grad. Denn irgendwann wird das Kind genügend kräftig oder geschickt sein, um auch grössere Hürden überwinden zu können (zumal der Ehrgeiz dazu gerade durch das Geheimnisvolle und Verbotene angestachelt wird!). Nebst den obligaten Sicherheitsmassnahmen (wie zum Beispiel Kindersicherungen an Steckdosen) ist es deshalb entscheidend, dass Sie dem Kind die Gefahren erklären und ihm Möglichkeiten zeigen, wie es damit umgehen soll. Schlagen Sie ihm zum Beispiel am Fussgängerstreifen vor, dass es beim Strasse überqueren jeweils sagen soll, wann es "gut" ist. Selbstverständlich müssen Sie das Kind dabei an der Hand halten und selbst entscheiden, ob Sie gehen können oder nicht. Aber das Kind kann so schon sehr früh mit Ihnen in Sicherheit üben und fühlt sich mitverantwortlich. Üben können Sie auch mit Geräten, die etwas harmloser sind. So können Sie zum Beispiel das Kind die Ofentüre abtasten lassen und ihm zeigen, von wo an diese heiss wird. Mit dieser, harmlosen, Erfahrung wird es Ihnen dann auch viel einfacher glauben, wie gefährlich Herdplatten sind.

Das grosse Problem bei Maschinen ist vor allem, dass die Gefahren für das Kind kaum erkennbar sind und trotzdem unmittelbar akut werden können. Die Bohrmaschine zum Beispiel gehört deshalb klar weggesperrt. Wenn Sie damit werken, können Sie das Kind aber auch mal aus Distanz zuschauen lassen und ihm erklären, wie Sie die Maschine anschliessen, den Bohrer montieren, das Loch bohren und die Maschine wieder vom Netz nehmen. So lernt das Kind, wie mit der Maschine vorsichtig umzugehen ist und wo die Gefahren liegen. Und schon allein der Lärm wird dem Kind Angst machen, sodass es vorsichtig wird. Lassen Sie das Kind ruhig auch mal die Maschine anfassen, wenn sie vom Netz ist, ansonsten es geradezu angestachelt wird, das Ding in einem "günstigen" Moment zu ergattern, um dann ohne Ihre Aufsicht zu hantieren.

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Essbesteck und Werkzeuge

Vermutlich werden Sie Ihrem Kind ergonomisch angepasstes Kinderessbesteck anschaffen, von dem kaum irgendeine Gefahr ausgeht. Viele Kinder geben sich damit aber nicht zufrieden und wollen schon bald das gleiche Besteck "wie die Grossen". Oder sie sind fasziniert, wie Sie mit dem Hammer hantieren und wollen das auch gleich ausprobieren. Das kann je nach Werkzeug unbestrittenermassen gefährlich werden, sodass auch hier zunächst die Devise "ausser Reichweite von Kindern aufbewahren" gilt.

Es ist allerdings bloss eine Frage der Zeit, bis sich das Kind das Objekt der Begierde auch selbst beschaffen kann, ganz gleich wie gut sie es verstecken. Sie tun deshalb gut daran, mit dem Kind so früh als möglich den sicheren Umgang mit Messer, Hammer und ähnlichem zu üben. Gehen Sie dabei zunächst von der Geschicklichkeit Ihres Kindes aus und vertrauen Sie ihm, dass es selbst am besten weiss, was es sich zumuten kann. Und seien Sie vor allem vorsichtig, wenn Sie feststellen, dass es zum Beispiel mit der Gabel zu nahe vor seinen Augen herumfuchtelt: Sagen Sie ihm, was es machen soll ("Pass auf: Nimm die Gabel wieder runter!") und versuchen Sie nicht einfach, ihm die Gabel aus der Hand zu reissen. Denn richtig gefährlich wird es in der Regel erst, wenn Sie mit dem Kind zu kämpfen beginnen!

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Streichhölzer und Kerzen

Selbstverständlich lagern Sie Streichhölzer "ausser Reichweite von Kindern". Doch die Gefahr von Streichhölzern und Kerzen wird als Gefahr von Eltern in der Regel eher überschätzt. Denn im Gegensatz etwa zu offenen Gewässern, die ohne jede Vorwarnung sehr gefährlich werden können, wird das Kind beim Feuer schon allein durch die abstrahlende Hitze vorgewarnt. Auch die explosionsartige Flamme beim Anstreichen schreckt Kinder zunächst einmal ab. Und selbst wenn das Kind mit der Flamme in Kontakt gerät, erleidet es selten eigentliche Verbrennungen, sondern erschrickt vor allem ob der Hitze. Schliesslich reagieren Kinder, die zum Beispiel in Abwesenheit ihrer Eltern mit Streichhölzern spielen und nicht mehr kontrollieren können, in der Regel instinktiv richtig, indem sie das Streichholz einfach fallen lassen und davonrennen.

Was unabhängig von der Gefahr, beziehungsweise dem Umgang damit, bleibt, ist eine grosse Faszination für Feuer. Gerade diese Mischung aus relativer Harmlosigkeit und Anziehungskraft macht das Anzünden von Kerzen zu einem besonders geeigneten Übungsfeld für den Umgang mit Gefahren! Zeigen Sie dem Kind, sobald es sich dafür interessiert, wie Sie es machen und führen Sie es Schritt für Schritt an den Punkt, wo es die Kerze selbst anzünden kann. Respektieren Sie aber auch, wenn es Angst hat, denn es hat ein sehr feines Gespür dafür, was es sich zumuten kann! Am besten lassen Sie das Kind ganz einfach ausprobieren, ohne es an der Hand zu nehmen, denn erstens würden Sie es dabei bloss behindern und zweitens können Sie die Flamme notfalls leicht selbst ausblasen. Bleiben Sie also möglichst gelassen und warten Sie ab, wie es das Kind ausprobiert. Von der Feinmotorik her gesehen ist das Entflammen eines Streichholzes eine grosse Herausforderung und verlangt einiges an Übung. Helfen Sie ihm erst, wenn es Hilfe verlangt oder fragen Sie es zumindest, ob Sie ihm helfen sollen.

Falls sich schliesslich das Kind dann doch einmal die Finger "verbrennen" sollte, braucht es weder Belehrungen noch Vorwürfe, sondern einzig Trost. Wenn Sie den Umgang mit Feuer möglichst früh mit dem Kind üben, wirkt das zudem ausgesprochen vertrauensbildend. Es erfährt, dass es einerseits selbst ausprobieren darf, wozu es Lust hat, da Sie seinen Fähigkeiten vertrauen, und dass Sie ihm andererseits helfen, wenn es darum geht, die Gefahr zu bannen beziehungsweise es trösten, wenn es sich weh macht. Dieses Vertrauen wiederum ist Voraussetzung dafür, dass Sie von ihm erwarten können, dass es ohne Ihre Anwesenheit kein Feuer entfacht. Wenn Sie ihm hingegen den Umgang mit Feuer aus lauter Ängstlichkeit dauernd verwehren, stacheln Sie damit seinen Entdeckungsdrang erst recht an und es wird ihm trotz all Ihrer Vorsichtsmassnahmen irgendwann gelingen, an die Streichhölzer zu gelangen, dann aber ohne jede Hilfe und Aufsicht ausprobieren, was selbstredend ungleich gefährlicher ist.

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Haustiere

So gut domestiziert (und je nach Art auch erzogen) Haustiere sein mögen: letzten Endes bleiben sie Tiere und reagieren instinktiv. Das bedeutet insbesondere, dass sich ein Tier sehr schnell bedroht fühlt und sich entsprechend zur Wehr setzt, wenn ein Kind freudig auf es zustürzt. Es liegt deshalb in der Verantwortung der Eltern, das Kind an der Hand zu nehmen und mit ihm langsam auf das Tier zuzugehen und ihm zum Beispiel zu zeigen, wo es streicheln darf. Bei fremden Tieren müssen Sie zudem beim Halter vorgängig abklären, wie das Tier auf Kinder reagiert. Bedenken Sie schliesslich, dass gerade eigene Haustiere ähnlich auf Neugeborene reagieren können wie ältere Geschwister, nämlich mit einer Art Eifersucht, die sehr existenziell wirken kann. So können an sich gutmütige Haustiere zu einer lebensbedrohenden Gefahr werden.

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Medikamente und Gifte

Selbstverständlich halten Sie Medikamente und Gifte "ausser Reichweite von Kindern", so wie es regelmässig als Vorschrift deklariert ist. Doch müssen Sie sich bewusst sein, dass die Reichweite Ihres Kindes von Tag zu Tag zunimmt und irgendwann nur noch ein Tresor helfen würde. Es braucht also noch eine andere Strategie um mit der nicht zu unterschätzenden Gefahr umzugehen.

Wenn Sie dem Kind sagen, wie gefährlich zum Beispiel Ihre Medikamente seien, kann es das kaum glauben, denn die Gefahr ist viel zu abstrakt und widersprüchlich, als dass es das verstehen könnte (Warum soll etwas, das Sie selbst essen, gefährlich sein?). Das Kind muss Ihnen also eigentlich blind vertrauen. Dieses Vertrauen Ihren Eltern gegenüber bringen Kinder zwar tatsächlich schon von Geburt an mit, doch muss es umgekehrt von den Eltern gewissermassen bestätigt werden. Das heisst die Eltern müssen zuerst lernen, ihrem Kind, seinen Grundbedürfnissen und seinen Fähigkeiten ebenso zu vertrauen. Dazu gehört zum Beispiel auch die Lust am Entdecken: Lassen Sie das Kind ruhig auch mal die Medikamente in die Hände nehmen und "untersuchen" (selbstverständlich unter Ihrer Aufsicht). Zeigen Sie ihm auch, wie Sie die Tablette einnehmen. Das schafft Vertrauen und ist Basis dafür, dass das Kind Ihnen Dinge glaubt, die in seinem Verständnis doch ziemlich unvernünftig sind. Wenn Sie hingegen immer alles verstecken und verheimlichen, wird das Kind Ihnen dank seinem (noch intakten!) Gespür sehr schnell auf die Schlich kommen und seine Neugier ist erst recht angestachelt. Ganz nebenbei haben Sie auch noch vorgesorgt, dass das Kind, wenn es später einmal selbst Medikamente braucht, weniger Angst davor hat, auch wenn die Einnahme vielleicht unangenehm ist.

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Drogen

Die meisten Eltern beginnen sich erst vor dem Drogenkonsum ihrer Kinder zu fürchten, wenn diese längst aus dem Alter der eigentlichen Erziehung heraus sind: Während die eigentliche Erziehung von Kindern bloss während etwa der ersten vier Jahre wirksam ist, wird das Drogenproblem erst viele Jahre später aktuell, insbesondere wenn die Kinder beginnen alleine in den Ausgang zu gehen. Die wirksamste Prophylaxe gegen Drogenmissbrauch sind nämlich ein gesundes Selbstvertrauen und die Fähigkeit Grenzen zu respektieren. Dazu müssen Sie als Eltern während der Vertrauensbildung beziehungsweise Willensbildung achtsam sein. Danach ist es in aller Regel zu spät:

Lassen Sie Ihr Kind möglichst alles selbst ausprobieren. Kinder müssen für die Vertrauensbildung die Erfahrung machen können, was ihnen gut tut und was nicht, sie müssen zuerst erfahren, dass die Ratschläge ihrer Eltern tatsächlich Sinn machen, das heisst, sie müssen eben auch einmal ausprobieren dürfen, sich gegen den Rat der Eltern zu entscheiden. Und wenn sie sich dabei weh tun, brauchen sie immer und unbedingten Trost - und nicht etwa Belehrungen oder gar Spott. All das gibt ihnen erstens Selbstvertrauen, sodass sie sich später im Zweifel eher auf ihre eigenen Kräfte verlassen als auf Drogen und zweitens werden sie auch bereit sein, das Thema mit Ihnen zu besprechen, da sie gelernt haben, dass es durchaus Sinn macht, Ihre Meinung einzuholen. Kinder hingegen, die zum Beispiel ungenügend getröstet wurden, werden dieses Grundbedürfnis früher oder später irgendwo anders zu befriedigen suchen, nich selten eben in Form von Drogen.

In der Phase der Willensbildung ist es dann wichtig, dass das Kind Grenzen erfährt. Da das Kind von Natur aus keine Grenzen kennt, muss es diese erst einmal ausloten oder gar überschreiten. Das ist völlig natürlich und somit auch noch kein Problem. Problematisch ist einzig, wenn die Eltern darauf nicht oder nicht angemessen reagieren. Eltern müssen in dieser Phase lernen, dem Kind laut und deutlich "Nein!" zu sagen. So kann das Kind lernen seinen Willen gewissermassen zu kultivieren und auch Grenzen zu respektieren. Wenn die Eltern diesen enorm wichtigen Prozess einfach auslassen (oder anderen überlassen), wird das Kind früher oder später auch die Grenzen anderswo suchen. Drogen, häufig auch Gewalttätigkeit, sind dann ein sehr beliebtes, aber eben auch höchst gefährliches, "Übungsfeld".

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Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch

Dass jede Form von Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch verpönt beziehungsweise kriminell ist, dürfte in der westlichen Zivilisation heutzutage eine Selbstverständlichkeit sein. Insbesondere die Enttabuisierung des Themas dürfte auch dazu beigetragen haben, dass die ehemals exorbitant hohe Dunkelziffer (Fachleute sprechen von 90 bis 99%) heute wesentlich tiefer ist. Die Sensibilisierung bei pädagogischen Fachleuten, aber auch in der Gesellschaft führt mittlerweile auch schon ins andere Extrem, sodass gerade Männer und Väter häufig unter eine Art Generalverdacht gesetzt werden. Gerade in diesem höchst sensiblen Bereich ist denn auch ein gesundes Gefahrenbewusstsein besonders wichtig.

Täter suchen erwiesenermassen gezielt "einfache" Opfer, das heisst Kinder, die eher leichtgläubig, leicht beeinflussbar und wenig selbständig sind oder Mühe haben Beziehungen einzugehen. Es ist deshalb entscheidend, dass Sie dem Kind gelehrt haben, mit Grenzen umzugehen, das heisst einerseits, dass Sie ihm klar "Nein!" sagen können, und dass Sie andererseits auch sein "Nein!" respektieren. Denn Kindesmisshandlungen und -missbrauch sind immer Grenzüberschreitungen. Das heisst, je besser das Kind mit Grenzen umgehen kann, desto besser kann es seinerseits "Nein!" sagen. Das wiederum setzt ein gesundes Selbstvertrauen voraus. Selbstvertrauen gewinnt das Kind in den beiden ersten Jahren, indem ihm seine Eltern vertrauen. Dazu gehört, dass Sie dem Kind seine Gefühle lassen. Denn Kinder haben ein sehr feines Gespür dafür, ob ihnen Menschen gut tun oder nicht. Lassen Sie deshalb Ihre Kinder zum Beispiel immer selbst entscheiden, wem sie beim Begrüssen oder Verabschieden wie nahe kommen wollen.

Im übrigen ist die sexuelle Aufklärung des Kindes zwar wichtig, stellt aber noch keinen Schutz vor Missbrauch dar! Denn beim Missbrauch geht es weniger um Sexualität denn um Grenzen. Und während das Kind noch vor der Sozialisation, also nach etwa vier Jahren, gelernt haben sollte, mit eigenen und fremden Grenzen umzugehen, interessiert es sich unter Umständen erst viel später dafür, wie Kinder entstehen. Und ganz abgesehen davon sollte die Aufklärung ja in erster Linie auf das Lustvolle ausgerichtet sein.

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Soziale Ausgrenzung

Leider erleben auch heute noch viele Kinder, dass sie wegen Armut von Kameraden ausgeschlossen werden oder wegen irgendwelchen tatsächlichen oder angeblichen Schwächen gemobbt werden. Für die Eltern ist es meistens gar nicht so einfach, diese Ausgrenzung überhaupt wahrzunehmen, da sich das ja naturgemäss meistens ausserhalb der Familie abspielt und sich Kinder häufig auch noch dafür schämen, sodass sie von sich aus zu Hause gar nichts von der Pein erzählen. Es muss deshalb auch an die Verantwortlichen in den Schulen appelliert werden, dass sie solche Themen in der Klasse ansprechen (Methoden dazu gibt es verschiedene, die hier aber nicht weiter erörtert werden). Als Eltern haben Sie die Aufgabe, erstens beim Kind nachzufragen, wenn Sie eine entsprechende Befürchtung haben und gegebenenfalls bei den Verantwortlichen in der Schule vorzusprechen. Damit zeigen Sie dem Kind wenigstens, dass Sie es erst nehmen und sich für sein Wohlbefinden einsetzen.

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Überfluss und Reizüberflutung

Kinder haben noch ein sehr feines Sensorium, das zumindest in den ersten Jahren vor Überfluss und Reizüberflutung geschützt werden sollte, ansonsten es schon sehr früh abzustumpfen droht. Diese Gefahr ist zwar nicht so offensichtlich, da kaum direkt sichtbare Verletzungen entstehen. Die Folgen sind meistens auch eher schleichender und langfristiger Natur. So kann der übermässige Konsum von Zucker und Salz bei Kleinkindern schon fast wie eine Droge wirken, oder der Konsum von Gewaltdarstellungen in der Unterhaltungselektronik kann Apathie, Depressionen, aber auch eigene Gewalttätigkeit hervorrufen.

Achten Sie also darauf, dass Sie Ihre Kinder möglichst lange vor Unterhaltungselektronik, Werbung, Zucker, allzu buntem Spielzug und ähnlichem schützen können. Ihre Möglichkeiten sind zwar je länger desto beschränkter, da Sie nicht mehr alles unter Kontrolle haben, sobald die Kinder selbständiger werden und mehr auf ihr eigene Umwelt fokussiert sind. Doch entscheidend sind die ersten Jahre, also die Zeit, in der Sie die Verantwortung innehaben. Falls nötig, müssen Sie auch einmal zum Mittel der "künstlichen Verknappung" greifen.

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Von den Eltern geschaffene Gefahren

Ein Besonderheit sind Gefahren, die Eltern schaffen, obwohl sie in bester Absicht handeln. Die wohl grösste Gefahr ist der Wickeltisch: Wenn Sie das Kind wie üblich selbst hochheben und hinlegen (es also nicht selbst hochklettert), wird es nicht die geringste Ahnung von der Gefahr des Herunterfallens haben, da es Ihnen ja vollkommen vertraut und deshalb auch keinerlei Gespür entwickeln konnte, dass es schon bei der ersten Drehung herunterfallen könnte.

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Natürliche Gefahren

Bedeutung

Die Angst vor natürlichen Gefahren ist erstaunlicherweise gerade in unserer westlichen Zivilisation am grössten, wo diese doch beinahe ganz eingedämmt wurden und zum Beispiel die Kindersterblichkeit in den letzten Jahrzehnten enorm gesunken ist. Die letzte, wirklich grosse natürliche Gefahr für Kinder sind (offene) Gewässer, von denen Kinder schon fast magisch angezogen werden. Tragischerweise wird gerade diese Gefahr von Eltern immer noch häufig unterschätzt. Ganz im Gegensatz zu offenen Feuern, zum Beispiel beim Bräteln, wo schon allein die Hitze dafür sorgt, dass Kinder vorsichtig sind (und so auch sehr gut den Umgang mit Gefahren üben können).

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Umgang mit Gefahren

Kinder können schon sehr früh bestens mit Gefahren aller Art umgehen. Entscheidend ist, dass Sie als Eltern Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes haben und nicht gleich panisch reagieren, wenn dem Kind bloss ein kleines Wehwehchen droht. Wenn das Kind zum Beispiel die Treppe hochklettert, können Sie zunächst einmal davon ausgehen, dass es das kann, beziehungsweise dass es stoppt, wenn es Angst bekommt oder nicht mehr weiter weiss (und nach Ihrer Hilfe ruft). Kinder haben ein ausgezeichnetes Gespür dafür, was sie sich zutrauen können und was nicht. Ermuntern Sie das Kind, indem Sie sich über seine Kletterkünste freuen. Erst wenn Sie sehen, dass es zum Beispiel rutscht, können Sie ihm sagen, was es machen soll. Bleiben Sie gelassen und geben Sie positive Anweisungen ("Halt Dich fest am Geländer!"). Wenn Sie hingegen nervös werden oder dem Kind gar Unglück prophezeien ("Du fällst jetzt gleich runter"), wird es verunsichert und zu Misstritten provoziert. Noch heikler ist es, wenn Sie das Kind einfach von der Treppe reissen und ihm damit zeigen, dass Sie es nicht für fähig halten, die (selbst gewählten!) Herausforderungen zu meistern. Zudem wird sich das Kind womöglich mit Händen und Füssen dagegen wehren, womit erst recht Gefahr entsteht.

Ein weiteres Übungsfeld sind Erkältungen (wobei hier keine medizinischen Aussagen gemacht werden sollen): Bleiben Sie zunächst einmal gelassen, wenn es um einfach Erkältungskrankheiten geht, in aller Regel genügen die üblichen Hausmittel. Zudem ist es erwiesen, dass häufiger Schnupfen und ähnliches in den ersten Jahren die Abwehrkräfte des Kindes derart stärken, dass es ein Leben lang davon profitieren wird! Sie brauchen sich also nicht dauernd vor den Folgen von "Wind und Wetter" zu fürchten, sondern können sich ganz im Gegenteil darüber freuen, dass sich das Kind dabei, und zwar im durchaus gesundem Sinn, abhärtet.

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Verantwortung für Gefahren

Achten Sie immer darauf, ob die Gefahr vom Kind selbst oder von Ihnen geschaffen wurde. Ist das Kind zum Beispiel unten an einer Treppe und will hochklettern, begibt es sich selbst in Gefahr und kann grundsätzlich auch die Verantwortung dafür übernehmen. Wurde das Kind aber zuvor hochgetragen und will nun umgekehrt die Treppe hinunterklettern, konnte es die Gefahr nicht wahrnehmen, weil es Ihnen ja vollkommen vertraute, als Sie es hochtrugen (und damit erst in Gefahr brachten). In diesem Fall müssen Sie die Verantwortung übernehmen und können mit ihm zum Beispiel abmachen, dass Sie unter ihm sichern.

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Angst vor Gefahren

Schliesslich reagieren Kinder mit Angst und zeigen diese auch sofort, wenn sie sich durch eine Gefahr überfordert fühlen. Negieren Sie diese Gefühle auf keinen Fall, sondern lassen Sie dem Kind sein Gespür! Wenn Sie sehen, dass es verängstigt zu Ihnen schaut, fragen Sie, ob es Angst hat. Und wenn es das bejaht, fragen Sie, ob Sie ihm helfen sollen. Bevor Sie es aber irgendwo herunterreissen, sollten Sie ihm zuerst vorschlagen, wie es sich selbst helfen kann. So zeigen Sie ihm, dass Sie seinen Fähigkeiten vertrauen und stärker wiederum sein Selbstvertrauen.

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Gespür für Gefahren

Entscheidend bei Gefahren ist also weniger die Gefahr selbst, sondern dass das Kind lernen kann, diese richtig einzuschätzen, sodass es weder über- noch unterfordert wird. Das Gespür dafür hat das Kind schon von Natur aus, jedenfalls für natürliche Gefahren. Sie müssen es ihm bloss belassen, indem Sie es möglichst immer alles selbst entscheiden lassen.

Die immer wieder gehörte Aussage, dass Kinder weder Gefahren noch Angst kennen würden, stimmt also nicht wirklich. Es ist vielmehr so, dass Menschen mit zunehmenden Alter beziehungsweise gemachten Erfahrungen ängstlicher werden und sich zudem schon bei kleineren Missgeschicken und Misstritten sehr viel schneller verletzen als Kinder. Kinder fallen zum Beispiel "geschickter" und sind zudem auch noch durch "Babyspeck" geschützt. Lassen Sie das Kind dieses Erfahrungen unbedingt machen und greifen Sie nicht ständig mit Ihren schützenden Händen ein, Sie würden so bloss das natürliche Gespür des Kindes beeinträchtigen! Gerade wenn Kinder zu laufen beginnen, müssen sie auch stolpern und hinfallen dürfen, da sie nur so lernen können, dass sie zum Beispiel bei Schwellen die Füsse höher heben müssen.

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Bagatellgefahren

Bedeutung

Bagatellgefahren sind kein eigentlichen Gefahren, es geht mehr um Missgeschicke, die kaum zu Verletzungen führen können, jedenfalls zu keinen ernsthaften. Sie sind trotz allfälliger Schmerzen wichtig, weil das Kind sie braucht um aus den Erfahrungen lernen zu können und so mit wirklichen Gefahren vernünftig umzugehen. Bagatellgefahren sollten also auf keinen Fall vermieden werden, viel wichtiger ist es, das Kind richtig zu trösten, wenn es sich weht tut.

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Nutzen für das Lernen

Lassen Sie Ihr Kind unbedingt alles, was nicht gerade zu eigentlichen Verletzungen führen kann, selbst erfahren. Erfahrung ist der beste Lehrmeister und Kinder lernen extrem schnell! Ein Kind, das nie erlebt hat, wie es ist, den Kopf am Tisch anzuschlagen, weil immer eine schützende Hand der Eltern dazwischen fährt, wird diese Erfahrung irgendwann später nachholen müssen, denn Sie werden es schon bald nicht mehr ununterbrochen vor solchen Missgeschicken behüten können. Sagen Sie dem Kind also besser, dass es Acht geben soll, wenn es unter dem Tisch aufstehen will - und trösten Sie es, wenn es sich trotzdem anschlägt. Gerade während der Phase der Vertrauensbildung ist echter Trost sehr viel wichtiger als das Verhindern von schmerzhaften Erfahrungen.

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Nutzen für die Prävention

Die Erfahrung von kleineren, harmlosen Gefahren ist zudem das weitaus beste Mittel, um später mit grösseren, wirklichen Gefahren umgehen zu können: Kinder lernen Gefahren nur dann angemessen einzuschätzen, wenn sie die Folgen ihres "gefährlichen Tuns" direkt und am eigenen Leib selbst erfahren können! Dabei brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, denn Kleinkinder können sich schon aufgrund ihrer beschränkten Kräfte und Beweglichkeit kaum selbst verletzen. Je grösser und kräftiger sie jedoch werden, desto grössere Gefahren können sie auch eingehen - und sie werden ganz bestimmt Mittel und Wege dazu finden, denn den Drang zu Bewegung und Selbständigkeit können Sie früher oder später auch mit Gewalt nicht mehr bremsen. Gerade Kinder, die dauernd gebremst werden, entwickeln umso mehr Willen und List, ihren Eltern zu entkommen, woraus ein eigentlicher Teufelskreis entsteht. Die beste Prävention vor wirklichen Gefahren ist, wenn Sie Ihrem Kind schon in den ersten Jahren möglichst viel Freiheit lassen und dabei kleinere Missgeschicke und Schmerzen in Kauf nehmen - und ihm dafür immer und bedingungslosen Trost spenden.

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Provozierte Gefahren

Bedeutung

Schliesslich gibt es noch eine besondere Art, Kinder unnötigen Gefahren auszusetzen, ohne dass sich die Eltern dessen bewusst wären, nämlich indem Sie die Gefahren geradezu selbst provozieren:

Diese Provokationen geschehen zwar meist unbewusst, doch sind sie äusserst konfliktträchtig, da regelmässig auch noch mit einer Vorwürfen der Eltern an das Kind verbunden ("Ich habe Dir ja gesagt....", "Ich habe es ja kommen sehen...", "Warum hörst Du nie auf mich?").

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Prophezeiungen

Wenn einem Kind eine Gefahr droht, sollten Sie ihm sagen, was es tun soll, um sich selbst zu helfen. Also zum Beispiel "Lass das Zündholz fallen" oder "Blas es aus", wenn Sie sehen, dass sich die Flamme langsam aber sicher seinen Fingern nähert. Geben Sie immer eine positive Anweisung, denn Negierungen ("Halt das Zündholz nicht so nahe an das Gesicht") kann das Kind in den ersten Jahren noch nicht verstehen (es versteht bloss "nahe ans Gesicht").

Wenn Sie ihm hingegangen prophezeien, dass es sich noch die Finger verbrennen werde, ist ihm ebensowenig geholfen, denn es weiss immer noch nicht, was es tun soll. Viel schlimmer noch: Es hat bloss etwas von "Finger verbrennen" gehört und wird sich dementsprechend auf das einstellen! Hat sich das Kind aber erst einmal auf die verbrannten Finger eingestellt, wird es - ganz unbewusst - womöglich entsprechend handeln, sodass Ihre Prophezeiung eintritt, denn es vertraut Ihnen ja! Solche Mechanismen mögen sehr subtil sein, doch funktionieren sie und sind ganz offensichtlich äusserst kontraproduktiv. Im "besseren" Fall hat das Kind aber bereits aufgehört Ihnen zu vertrauen (da es die Erfahrung schon mehrfach gemacht, dass das nicht gut kommt!) und reagiert entweder verwirrt oder beginnt zu protestieren.

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(Verkapptes) Anstacheln

Bemerkungen von Eltern (und häufig auch von Aussenstehenden) an Kinder wie "Du wirfst ja diesen Stein nicht auch noch Deiner Schwester an den Kopf, nicht wahr." oder "Du gehörst ja nicht zu denen, die immer die Kindergärtnerin anspucken, oder?" beinhalten selten eine positive Botschaft. Meistens geht es darum, Kinder mehr oder weniger bewusst zu einem Verhalten anzustacheln, zu dem diese selbst eigentlich kaum je in Versuchung kommen würden. Häufig ist es auch noch so, dass der Provokateur ganz froh ist, wenn er sieht, das das eigentlich verpönte Verhalten von anderen ausgeübt wird. Es geht dabei um eine Art Delegation.

Wenn Sie dieses Verhalten bei sich selbst bemerken, überlegen Sie sich, was Sie damit bezwecken wollen: Trauen Sie dieses Verhalten wirklich dem Kind zu oder erinnern Sie sich vielleicht bloss an Ihre eigenen Jugendsünden? Oder fänden Sie es gar einfach lustig, wenn das Kind derartigen Blödsinn machen würde? In aller Regel werden Sie feststellen, dass nämlich keine sinnvolle Botschaft hinter solchen Bemerkungen steckt.

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Eingreifen durch Wegreissen und ähnliches

Die meisten Eltern meinen es ja gut, wenn sie zum Beispiel dem Kind das von ihm - trotz aller Vorsichtsmassnahmen - gerade ergatterte Rüstmesser wieder aus den Händen reissen: Sie wollen das Kind vor Verletzungen schützen und greifen deshalb in einer Art Notwehrsituation zu einem ziemlich rabiaten Mittel. Das mag bei Kleinkindern beim ersten Mal noch gehen, da das Kind zu überrascht sein dürfte, um reagieren zu können und womöglich auch noch zu wenig Kraft hat, um sich zu wehren (und seinen Unmut bloss mit Schreien ausdrücken kann). Schon bald aber wird das nur noch mit eigentlicher Brachialgewalt möglich sein. Spätestens dann wird es aber richtig gefährlich, denn ein Kampf um ein Messer ist alles andere als harmlos!

Sie tun deshalb gut daran, für solche vermeintlichen "Notfälle" eine andere Strategie zu wählen. Seien Sie sich zunächst bewusst, dass Ihr Kind Ihnen vertraut. Es genügt deshalb meistens schon, ihm zu sagen, dass es das Messer wieder zurücklegen soll, da das gefährlich sei. Wenn es aber derart Freude daran hat, dass es das Messer lieber noch behält, können Sie ihm sagen, dass Sie Angst haben, dass es sich verletzen könnte. Das verstehen Kinder nämlich sehr gut, da sie das Gefühl ja bestens kennen. Diese Strategie funktioniert natürlich nur, wenn Sie Ihrerseits bisher schon dem Kind vertrauten, wenn es aus Angst etwas nicht machen wollte! Die Vertrauensbildung während der ersten Jahre ist gerade deshalb so enorm wichtig.

Wenn Sie dem Kind aber einfach immer wieder alles aus den Händen reissen, was Sie als zu heikel taxieren, zeigen Sie ihm, dass Sie ihm und seinen Fähigkeiten nicht vertrauen und der Teufelskreis ist perfekt: Das Kind verliert in gleichem Masse sein Vertrauen in Sie und wird sich je länger desto erfolgreicher gegen Sie wehren. Damit beginnt ein Machtkampf, in dem regelmässig Eltern und Kind gleichermassen verlieren! Nehmen Sie also lieber in Kauf, dass das Kind zum Beispiel auch einmal ein Glas Wasser verschüttet, wenn es sich selbst einschenken will, als ihm gleich alles aus den Händen zu nehmen. Denn wenn Sie ihm vertrauen und es ermuntern sorgfältig zu sein, wird es sich alle Mühe geben und kann sich irgendwann mit Ihnen darüber freuen, dass es sich selbst ohne zu verschütten einschenken kann, und gewinnt dabei erst noch an Selbstvertrauen.

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Unterdrückung des Entdeckungs- und Bewegungsdrangs

Kinder wollen die Welt entdecken und sich sich bewegen - und das nach Lust und Laune. Wenn Sie Kinder daran hindern, werden Sie sehr schnell mehr oder weniger heftige Gegenreaktionen auslösen. Kleinkinder können Sie zwar noch mit leichter Gewalt bändigen, doch schon bald werden sie genügend kräftig und listig sein, um Ihnen zu entkommen. Und genau dann beginnt es gefährlich zu werden, da sich das Kind dann mit übermässig viel Kraft und Schwung befreit und entsprechend zu überborden droht. Eine solche Überreaktion des Kindes ist also schlicht von den Eltern provoziert.

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Erziehungsfehler

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass weniger die Gefahren selbst ein Problem für Kinder sind, als vielmehr eigentliche Erziehungsfehler. Kinder mit genügend Selbstvertrauen und Respekt gehen viel weniger Risiken ein und haben dabei erst noch ein besseres Gefahrenbewusstsein. Für diese Reife des Kindes sind Sie als Eltern verantwortlich, es geht um Ihre Erziehungsarbeit in den ersten Jahren des Kindes. Später haben Sie kaum mehr Einfluss auf das Risikoverhalten des Kindes, denn mit der Erweiterung seines Aktionsradius' entzieht es sich mehr und mehr Ihrer Obhut und damit Ihren Möglichkeiten schützend einzugreifen.

Entscheidend dafür sind die beiden ersten Phasen der Erziehung:

  • Vertrauensbildung: In den ersten beiden Jahren können sich Kinder schon allein aufgrund ihrer noch beschränkten körperlichen Kräfte kaum selbst in Gefahr bringen (die allermeisten Gefahren gehen in dieser Zeit von den Eltern selbst aus!). Es ist die Zeit, in der sie ihr Selbstvertrauen aufbauen müssen, um später selbst beurteilen zu können, was sie sich zumuten können. Selbstvertrauen gewinnt das Kind in gleichem Masse, wie Sie ihm, seinen Grundbedürfnissen und seinen Fähigkeiten vertrauen. Wenn das Kind zum Beispiel einen fremden Hund streicheln will, sollten Sie es nicht einfach davon abhalten, sondern ihm erklären, wie das geht (Zuerst den Besitzer fragen und dann langsam auf ihn zugehen usw.), es dabei begleiten und darauf achten, ob es Angst hat und es allenfalls trösten, wenn es erschrickt.
  • Willensbildung: Wenn das Kind beginnt seinen Willen zu entwickeln, in der Regel ab etwa dem dritten Lebensjahr, will es auch die Grenzen ausloten. Diese müssen ihm von seinen Eltern gesetzt werden, indem sie ihm "Nein!" sagen, wenn es zu weit geht. Grenzen sind wie Leitplanken: sie geben dem Kind Sicherheit. Kinder müssen auch erfahren können, was passiert, wenn sie Grenzen überschreiten. Wenn das Kind zum Beispiel einem Hund zu nahe kommt, obwohl Sie es davor gewarnt haben, und der Hund zu bellen beginnt, wird das Kind erschrecken und vielleicht zu schreien beginnen. Es braucht auch dann Trost und Versöhnung (und nicht etwa Belehrungen oder Vorwürfe).

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Weiterführende Themen

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Übergeordnete Prinzipien


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