Duckmäuser

Aus 2 x 2 der Erziehung
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Ein Duckmäuser ist ein Kind, das sich in einer Gruppe ausserhalb der Familie noch nicht behaupten kann, es ist noch reif für die Sozialisation. Es traut sich zum Beispiel nicht, seine Fähigkeiten zu entfalten, seine eigene Meinung frei zu äussern, oder es ängstigt sich vor jeder Herausforderung. Das Kind hat nicht genügend Selbstvertrauen, es fürchtet sich, dass es die Zuneigung anderer verlieren könnte, wenn es seinen Willen äussert oder es weiss gar nicht, was es überhaupt will. Dieses Verhalten wird in aller Regel erst mit dem Eintritt in die (Vor)Schule bemerkt, also zu einem Zeitpunkt, da die Erziehung im wesentlichen bereits vorüber sein sollte. Die Neigung zu Duckmäusertum hat aber nichts mit der Persönlichkeit des Kindes zu tun, sondern allein mit dem Verhalten der Eltern während der beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung.

Ursachen für Duckmäusertum

Die Gründe für Duckmäusertum sind regelmässig in mangelndem Selbstvertrauen zu finden. Genügend Selbstvertrauen kann das Kind aufbauen, wenn seine Eltern ihm, insbesondere seinen Grundbedürfnissen und seinen Fähigkeiten, vertrauen. Selbstvertrauen gewinnt das Kind zudem, wenn es erfahren darf, was es alles mit seinem Willen erreichen kann, beziehungsweise dass es auch dann noch geliebt wird, wenn es einmal mit seinem Willen auf Widerstand stösst und zu toben beginnt. Entscheidend sind deshalb die beiden Phasen der Vertrauensbildung und der Willensbildung:

Phase der Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)

Kinder erwerben Selbstvertrauen in dem Masse wie ihre Eltern ihnen, insbesondere ihren Fähigkeiten, vertrauen. Kinder kommen zwar mit einem grenzenlosen Vertrauen zur Welt, doch muss dieser Glaube an das Leben gewissermassen bestätigt werden. Wenn dem Kind zum Beispiel immer wieder gesagt wird, dass es die Tasse sowieso verschütten würde, verliert es irgendwann den Glauben in seine Fähigkeit, aus der Tasse trinken zu können. Wenn es dann noch bei jedem Missgeschick getadelt oder blossgestellt wird, beginnt es sich auch noch zu schämen und wird sich irgendwann kaum mehr etwas zutrauen. Und wenn ihm schon seine eigenen Eltern kaum etwas zutrauen, wird es in einer Gruppe womöglich erst recht keinen Mut aufbringen können, um etwas auszuprobieren (beziehungsweise je nach Persönlichkeit gerade umgekehrt reagieren, indem es zum Beispiel zu grosse Risiken eingeht). Wird es dann von seinen Kameraden auch noch ausgelacht, ist der Teufelskreis perfekt und es bleibt bloss noch die Hoffnung, dass ihm zum Beispiel die Verantwortlichen in der (Vor)Schule beistehen und es ermuntern.

Kinder brauchen insbesondere in der Phase der Vertrauensbildung die Bestätigung der Eltern. Vertrauen Sie also Ihrem Kind, dass es lernen will, aus der Tasse zu trinken, dass es sich Mühe gibt, nichts zu verschütten. Und nicht zuletzt: richten Sie Ihre Wohnung so ein, dass nicht jedes Missgeschick gleich die Anschaffung eines neuen Teppichs bedeutet! Denn Kinder lernen ausschliesslich durch Erfahrung, das heisst sie müssen möglichst alles selbst ausprobieren dürfen (und auch mal sehen können, was mit der Tasse geschieht, wenn sie zu Boden fällt). Die Fähigkeiten dazu bringen sie im übrigen bereits mit, sie müssen sie bloss noch entfalten dürfen. Und was noch nicht in ihnen selbst steckt, ahmen sie ganz einfach ihren Eltern nach. Bestätigen Sie das Kind also ruhig, auch wenn es die Tasse noch nicht auf Anhieb sicher heben kann. Sie brauchen dabei auch nicht nachzuhelfen. Machen Sie es zum Beispiel vor, wie es besser geht ("Schau, ich nehme beide Hände, dann ist es einfacher!").

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Phase der Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)

Hat das Kind genügend Selbstvertrauen aufbauen können, ist es auch für die Phase der Willensbildung, die in der Regel ab etwas dem dritten Lebensjahr einsetzt, bestens gerüstet. Das heisst es kann lernen, mit seiner Willenskraft nicht nur jede gewünschte Herausforderung anzugehen, sondern dabei auch mehr und mehr seine Umwelt respektieren. Auch das bringt es aber nicht einfach so von Geburt aus mit sich, sondern es braucht dazu seine Eltern. Das Kind bringt den Willen mit sich, die Eltern müssen lernen damit umzugehen, was vor allem heisst, konsequent mit Regeln zu arbeiten und auch "Nein!" zu sagen, wenn das Kind zu weit geht.

Grenzen setzen bedeutet aber ganz und gar nicht, den Willen des Kindes zu brechen, indem Sie ihm zum Beispiel die gerade ergatterte Taschenlampe einfach wieder aus der Hand reissen und es zur Strafe womöglich noch wegsperren! Das wäre eine Grenzüberschreitung Ihrerseits und würde sich ausgesprochen kontraproduktiv auswirken. Wenn das Kind etwas entgegen Ihrer Haltung will und Sie sich Ihrer Haltung auch sicher sind, müssen Sie dabei bleiben und sich dem Kind mit einem laut und deutlich ausgesprochenen "Nein!" entgegenstellen. Zumindest beim ersten Mal wird das Kind mit grosser Wahrscheinlichkeit zu toben beginnen, sodass Sie werden lernen müssen, auf "Tobsuchtsanfälle" angemessen zu reagieren und sich nach einem Konflikt wieder zu versöhnen. So wird der noch rohe Wille des Kindes gewissermassen kultiviert und es mit der Unbill des Lebens umgehen zu können. Das fördert seine Frustrationstoleranz. Wenn Eltern hingegen wiederholt mit roher Gewalt auf den Willen des Kindes antworten, ist es kaum verwunderlich, wenn es irgendwann resigniert: Es traut sich nicht mehr, seinen Willen zu äussern, weil es Liebesentzug befürchtet.

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Duckmäuser und Störenfried

Das vermeintliche Gegenteil des Duckmäusers ist der Störenfried. Der Unterschied liegt allerdings nur in der Reaktion des Kindes, nicht aber in der Ursache! Der Grund für das Fehlverhalten liegt immer in mangelndem Selbstvertrauen oder fehlentwickeltem Willen (beziehungsweise meistens in beidem). Allerdings reagieren Kinder je nach ihrer Persönlichkeit ganz unterschiedlich. Häufig ist auch zu beobachten, dass sich Kinder in der Familie gerade umgekehrt wie ausserhalb verhalten. So ist es denn kein Wunder, wenn Lehrer von einem Schüler berichten, dass dieser dauernd den Unterricht stören würde, während er sich zu Hause am liebsten in seinem Zimmer verkriecht.

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